Ungefähr 30 bis 40 Wölfe haben es geschafft, Teile der Bevölkerung des Landes Brandenburg in Aufruhr zu versetzen. Besonders im Spree-Neiße-Kreis, wo mit drei Rudeln und einem Paar die meisten Graupelze leben, fühlen sich manche Hobby-Tierhalter von der Politik allein gelassen. Der Turnower Freizeit-Landwirt Edwin Majaura hielt während der Naturschutztagung des Spree-Neiße-Kreises in Werben ein emotionales Plädoyer für die Interessenten seiner Zunft. Majaura, der seit vier Jahren am Rand der Lieberoser Heide eine kleine Heidschnucken-Zucht betreibt, fühlt sich vom derzeitigen Wolfsmanagement ausgegrenzt.

Der Turnower betont, dass er nicht nur für sich selbst spreche, sondern aus vielen Kontakten von ähnlichen Schicksalen befreundeter Tierhalter wisse. Am meisten ärgert sich Majaura über fehlende Fördergelder für Schutzmaßnahmen, beispielsweise den Bau von Zäunen.

Der hauptberufliche Wolfs-

experte Steffen Butzeck vom Landesumweltamt (LUGV) kann sich gut in die Sorgen der Hobby-Tierhalter hineinversetzen: „Auf jeden Fall müssen sie entsprechende Zuschüsse bekommen“, erklärt der Fachmann. Immerhin sei jetzt erreicht, dass Landwirte im Haupt- und Nebenerwerb Zaunbauten statt zu 75 ab sofort zu 100 Prozent vom Land gefördert bekommen. Allein in den Jahren von 2008 bis 2011 habe Brandenburg rund 268 000 Euro für die Errichtung ordentlicher Zäune beigesteuert. Hobby-Tierhalter gingen dabei bislang jedoch leer aus. Laut der Statistik sind bis Anfang November brandenburgweit bereits 50 Wolfsrisse an Nutztieren registriert worden. Butzeck rechnet noch mit einem erheblichen Anstieg dieser Zahl, da viele Fälle noch auf ihre Bearbeitung warten. Im vergangenen Jahr habe es insgesamt 60 Wolfsrisse gegeben, 2009 seien es 33 gewesen. Trotz steigender Zahlen setze sich die Nahrung der Wölfe zu lediglich 0,6 Prozent aus Haustieren zusammen. Ähnlich spannungsgeladen wurde während der Tagung der Bau von Solaranlagen in Waldgebieten diskutiert. Anlass ist der geplante Bau einer Photovoltaik-anlage bei Staakow in der Lieberoser Heide, für die 200 Hektar artenreicher Mischwald weichen müssten. Unter vorgehaltener Hand erklären die Forstleute, dass sie offiziell für dieses Vorhaben zu sein hätten, während sie es mit ihrem forstlichen Verstand und Herzen vollkommen ablehnen.