"Mein Raumanzug hatte sich wie ein Ballon aufgebläht, Einsteigen unmöglich", schildert er später den lebensgefährlichen Zwischenfall. Vorsichtig lässt er durch ein Ventil Luft ab. Nach 13 Minuten gelingt ihm doch noch der Wiedereinstieg ins Raumschiff. Erstmals war ein Raumfahrer in den Kosmos ausgestiegen und in die schützende Kapsel zurückgekehrt. Genau 50 Jahre ist das jetzt her.

Als "Himmelfahrtskommando" stufen Experten in Moskau das waghalsige Manöver heute ein. Die Nachricht, dass ein US-Astronaut Mitte 1965 als erster Raumfahrer seine Kapsel verlassen soll, sorgt in Moskau für Aufregung. Hastig wird in ein "Woschod"-Raumschiff eine aufblasbare Ausstiegsschleuse eingebaut. Es bleibt nur Zeit für einen Test - und der misslingt: Die unbemannte Kapsel explodiert bei der Prüfung. Trotzdem starten einen Monat später Leonow und Pawel Beljajew zu ihrer historischen Mission.

Bereits während der ersten Erdumrundung schwebt Leonow an einer 4,50 Meter langen Sicherheitsleine nach draußen. "Die unheimliche Stille, die mich umgab, verschlug mir die Sprache", sagt er später. Als erster Mensch schlägt Leonow Purzelbäume in der Schwerelosigkeit - der "Salto Orbitale" ist geboren. Geblendet von der gleißenden Sonne vor pechschwarzem Himmel, rast der damals 30-Jährige als "lebender Satellit" fast 25 Minuten lang mit 28 000 Stundenkilometern um die Erde. Er leitet damit eine Entwicklung ein, ohne die heute die Raumfahrt nicht mehr denkbar ist.

Bei Leonows Mission ist der Anzug nicht das einzige Problem. Da das automatische Landesystem nicht reagiert, müssen die Kosmonauten die Kapsel von Hand steuern und die Erde einmal zusätzlich umrunden. Dabei verbrauchen sie wichtigen Treibstoff für die Bremstriebwerke. Erst rund 1600 Kilometer vom geplanten Zielort entfernt schlägt die "Woschod" in einem tief verschneiten Wald am Ural-Gebirge auf. Zwei Tage müssen die Männer ausharren, bis Retter sie erreichen.

Heute hilft der 80-jährige Generalmajor bei der Ausbildung von Raumfahrern.