Zwar nimmt die Zahl hörgeschädigter Kinder in Spremberg auf dem Papier zu. Doch bei genauerem Hinschauen stehen den Ärzten mittlerweile einfach bessere Wege zu einer fachgerechten Diagnose zur Verfügung – darauf weist Sonderpädagogin Grit Rudel hin. „Somit werden Hörschäden heutzutage weitaus früher erkannt als in der Vergangenheit“, sagt sie. „Das hilft den Kindern gleichermaßen wie ihren Eltern, da wir auf diese Weise frühzeitig handeln können.“

Allerdings genügt mit der steigenden Nachfrage das vorhandene technische Material in der Frühförderstelle nicht mehr aus, wie die Sonderpädagogin einräumt. Vor diesem Hintergrund kommt die Hilfe des Unternehmens Vattenfall wohl genau im richtigen Moment. Vattenfall-Prokurist Uwe Grosser erklärt während der Übergabe des Spendenschecks in der Beratungsstelle der Lebenshilfe am Spremberger Kirchplatz: „Der Kontakt zwischen unserem Unternehmen und der Lebenshilfe besteht schon seit mehreren Jahren.“ So unterstützte der Energieversorger nach den Worten von Uwe Grosser in der Vergangenheit auch den Jugendklub am Spremberger Wiesenweg.

Neue Perspektive

Für die Lebenshilfe ergibt sich mit der Vattenfall-Spende zugleich eine neue Perspektive. Sonderpädagogin Grit Rudel sagt: „Wir würden gern besondere Technik mit dazugehörigen Programmen kaufen, die wir auch in die Haushalte der jeweiligen Familien mitnehmen können.“

Seit zehn Jahren betreut die Lebenshilfe hörgeschädigte Kinder, wie Lebenshilfe-Chef Jörg Paukstadt ausführt. Derzeit besuchen die Einrichtung 25 Kinder mit dieser Diagnose.

Dabei ist mindestens ein Fünftel der Bürger in Deutschland von Hörschädigungen betroffen. Eine repräsentative Befragung der Universität Witten/Herdecke ergab bereits im Jahr 1999 dieses Bild: Bei der Bevölkerung über 14 Jahren trifft die Diagnose auf 19 Prozent zu. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe waren das zum damaligen Zeitpunkt 13,3 Millionen Menschen in Deutschland. Da die Hörbeeinträchtigung nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) bei Kindern in dieser Untersuchung nicht erfasst ist, liegt die Zahl der Hörgeschädigten in der Gesamtbevölkerung wohl weitaus höher. Wie der Schwerhörigenbund mitteilt, basiert die Untersuchung auf Fragen an einen Personenkreis von mehr als 2000 Patienten bei den jeweiligen Hausärzten. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Anteil der Hörgeschädigten: Während diese Diagnose bei den Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren ungefähr ein Prozent betrifft, ist es bei Rentnern ab 70 Jahren bereits die deutliche Mehrheit – nämlich 54 Prozent.

Unterschätzte Behinderung

Zudem gibt der DSB zu bedenken: „Schwerhörigkeit ist eine Behinderung, die wegen ihrer Unsichtbarkeit weitgehend unterschätzt wird.“ Denn im Vergleich zum Körperbehinderten wirke der schwerhörige Mensch auf den ersten Blick, als würde es ihm an nichts fehlen. Die Folge: Seine körperliche Unversehrtheit und seine – im Vergleich zu gehörlosen Menschen – gute Fähigkeit zu sprechen erschwere den Außenstehenden ein verstehendes und nachvollziehbares Einfühlen. Zugleich gebe es noch zu wenig Angebote, die den Betroffenen eine bewusste Auseinandersetzung mit dieser Behinderung ermöglichen.