Um Eingeweide geht es beispielsweise in der "Hexenfahrt"-Sage. In der Nähe von Hermsdorf soll einst ein Wanderer in mondheller Nacht eine Hexe beim Tanz erblickt haben. Die Besenkünstlerin habe den Mann bemerkt und prophezeite ihm, dass er auf seinem Heimweg "noch eine Schale voll Därme zu sehen kriegt". Tatsächlich, so die Geschichte, sei der Wanderer versehentlich so unglücklich gegen eine Wagendeichsel gelaufen sein, dass seine Eingeweide hervorquollen.

Allerdings geht nicht hervor, ob tatsächlich das Hermsdorf bei Ruhland gemeint ist. Laut Buchautorin Gundula Hubrich-Messow ist lediglich von dem Ort in der Westlausitz die Rede.

Nicht weniger unheimlich erscheint die Sage vom Jungfernstein im Dreieck der Orte Hosena, Hohenbocka und Lauta. Einst, so wird erzählt, solle eine vornehme Jungfrau von einem einfachen Mann geschwängert worden sein. Aus Angst vor ihrem wütenden Vater legte sie sich auf den Jungfernstein, der sich auf dem Plateau des Leippschen Berges befand. Sie schwor zu Gott, dass, wenn sie einen Jungen gebäre, als Dank eine Kapelle auf dem Gipfel zu bauen gedenke. Allerdings bekam die Frau eine Tochter, sodass nur der Stein seine Bezeichnung erhielt.

Nach Angaben der Einheimischen soll zumindest vor langer Zeit ein uraltes Keltenkreuz am Jungfernstein gefunden worden sein. In vorchristlicher Zeit, so heißt es in alten Chroniken, wurden junge Frauen der heidnischen Göttin Siwa auf dem Berg geopfert. Heute präsentiert sich der Jungfernstein als mit jungem Kiefernwald bewachsene Erhebung, an deren höchster Stelle sich ein geodätischer Messpunkt befindet.

Nur wenige wissen, dass es am nördlichen Ende der Lausitz einen Ort mit dem Namen "Krebsjauche" gab. Mit der streng riechenden Substanz hat die Bezeichnung indes wenig zu tun. Stattdessen soll der kuriose Name laut der Sage auf einen Wettlauf zwischen Krebs und Fuchs zurückgehen, den der Krebs mit List gewann und rief "Krebs juchei". Wahr ist dagegen, dass der Ort 1919 in Wiesenau umbenannt wurde.

Insgesamt 116 Sagen hat die Buchautorin in ihrem 128-seitigen Werk zusammengetragen. Darunter befinden sich auch mehrere Klassiker. Dazu zählen unter anderem die Geschichte vom unterirdischen Gang am Spremberger Georgenberg, vom Wassermann, vom Nachtjäger sowie von bekannten Figuren wie Pan Dietrich und Pumphut. Zudem kommen auch die für die Region typischen Drachen nicht zu kurz. In Gundula Hubrich-Messows Heimatdorf Strega, das östlich der Neiße liegt, soll sogar ein Drache Klöße gespeit haben.

In Strega wurde die Autorin im Herbst 1944 geboren. Sie wuchs in Stuttgart auf und ist als Erzählforscherin tätig. 2011 wurde Hubrich-Messow mit dem Europäischen Märchenpreis ausgezeichnet. Heute lebt die Mutter zweier Kinder in Schleswig-Holstein.

Bereits in der Vergangenheit ist eine Anzahl Lausitzer Sagenbücher erschienen. Drei Standardwerke genießen bei Heimat- und Sprachforschern hohes Ansehen. Dazu gehört zum einen das Sagenbuch von Karl Haupt. Das zweibändige Werk wurde genau vor 150 Jahren veröffentlicht. Zum anderen sind die Werke "Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche" von Edmund Veckenstedt von 1880 sowie die "Sagen und Märchen aus der Oberlausitz" von Ernst Willkomm von 1843 zu erwähnen. Ein weiterer Sagensammler war Friedrich Sieber, der in den 1920er-Jahren mehrere Broschüren publiziert hatte. Zu DDR-Zeiten besaß das Buch "Sagen der Lausitz" aus dem Domowina-Verlag große Popularität.