Der Luxemburger hat aus dem milliardenschweren Investitionsplan ein Herzensanliegen gemacht.

Der Christsoziale ist zwar ein EU-Profi, der seit drei Jahrzehnten auf der Brüsseler Bühne präsent ist. Doch der Start seiner neuen Kommission verlief reichlich turbulent und alles andere als geordnet. Das lag vor allem an Medien-Enthüllungen über Steuerpraktiken in Junckers Heimatland Luxemburg, mit denen Großkonzerne ihre Steuerlast drücken können. Juncker, der 18 Jahre lang als Premier das Großherzogtum regierte, kam in Erklärungsnot. Im Europarlament überstanden er und seine Mannschaft ein Misstrauensvotum.

Der EU-Veteran räumte in der Affäre zwar Versäumnisse ein. Doch in der Sache blieb er dem Motto "Je ne regrette rien" ("Ich bereue nichts") treu.

Juncker trat im November an, um für "frischen Wind in Europa" sorgen. Er weiß genau, dass seine Kommission "der letzten Chance" konkrete Ergebnisse für die Europäer bringen muss. Viele Bürger nehmen die EU als ein anonymes Gebilde wahr, das neue Regeln erfindet und gebeutelten Staaten Sparmaßnahmen diktiert. "Wir sind keine Bürokraten", wendet der vielsprachige Chef der EU-Behörde ein.

Juncker stand für Europa zur Verfügung, da er nach der vorzeitigen Parlamentswahl in seiner Heimat vor einem Jahr das Amt des Premiers aufgeben musste. Vorausgegangen war eine Geheimdienstaffäre, in deren Verlauf er Mängel bei der Aufsicht der ihm unterstehenden Agenten einräumen musste. Die Ära Juncker dauerte im Großherzogtum lange - von Januar 1995 bis Dezember 2013 war er Premier.

Die Last des europäischen Spitzenamts sieht man Juncker an, manchmal geht er gebückt und wirkt müde. Er wird seine exzellenten Kontakte nutzen müssen, um in den kommenden Jahren die Union zusammenzuhalten. Dabei kommt es auf Großbritannien an. Dessen konservativer Premier David Cameron will die Bevölkerung 2017 über die EU abstimmen lassen, falls er kommendes Jahr die Wahl gewinnt.