Als kleines Mädchen huschte Anna durch die zugerümpelten, unrenovierten Zimmer in der Burg. Sie waren vollgestellt mit Habseligkeiten vergangener Jahrhunderte. Das war Annas Abenteuerspielwiese. Bis heute ist der Ort ein Abenteuer geblieben.

Nun trägt die 32 Jahre alte Prinzessin von Hohenzollern zusammen mit Mutter Heide (72) die Verantwortung für das Gemäuer aus dem 14. Jahrhundert: Schloss Burg Namedy im rheinland-pfälzischen Andernach bei Koblenz. Beide müssen monatliche Fixkosten für Wasser, Heizung und Strom von 8000 Euro erwirtschaften - hinzu kommen Instandhaltungs- und Renovierungskosten. "Es ist ein hartes Geschäft, dafür muss man sich entscheiden", sagt Anna von Hohenzollern. Schloss Burg Namedy dient als Veranstaltungsort für Kultur events, Hochzeiten oder Tagungen.

Häufig gelingt ein Generationswechsel bei Burgen und Schlössern, die sich in Privatbesitz ehemaliger Adelsfamilien befinden, nicht so fließend wie in diesem Fall. Der hohe finanzielle Aufwand, Denkmalschutzauflagen und ein Leben in der Provinz schrecken den Nachwuchs ab.

"Das ist eine massive Gefahr für das kulturelle Erbe", sagt der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh. Wenn sich kein Investor findet und das Land nicht einspringt, verfallen die Anwesen, von denen es in Deutschland Tausende gibt. "Die öffentliche Hand tut schon viel, und dafür sind wir sehr dankbar", sagt Dorgerloh.

"Es ist ein ständig nagender Zahn: Von Generation zu Generation gehen immer mehr Objekte für die private Seite verloren", weiß auch der Ehrenpräsident der Deutschen Burgenvereinigung, Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (71). Vor allem im Osten Deutschlands zeigt sich das Problem: Wegen der Enteignungen 1945 wurde die Erbfolge unterbrochen. Nach der Wende versuchten viele ehemalige Besitzer, die Herrenhäuser zurückzukaufen. Den umliegenden Grundbesitz durften sie aber nicht erwerben - die Landwirtschaft als Ertragsquelle ging verloren. "Es ist immer ein Problem, wenn man keine historisch gewachsene Bindung zu den Häusern hat", sagt Sayn-Wittgenstein-Sayn.