. ,,Heimatpflege ist niemals abgeschlossen“, betonte Landrat Christian Jaschinski (CDU) und dankte ,,allen Akteuren der Heimatpflege als unverzichtbarer Bestandteil des Kulturlebens“ zur weiteren Ausprägung einer heimatbezogenen Identität. Gemeinsam mit Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos) hat er die Verdienste des Heimatvereins Elsterwerda hervorgehoben Der Verein habe mit der Aufarbeitung der Geschichte des Ortes eine immense ehrenamtliche Arbeit geleistet.

Beginn der Kolonisierung

Kulturamtsleiter Andreas Pöschl freute sich über das große Interesse an der 17. Auflage des Kreisheimatkundetages von ehrenamtlichen Kultur- und Heimatpflegern. Drei Vorträge stellten 800 Jahre Elsterwerda mit unterschiedlichen Gesichtspunkten in den Mittelpunkt. Der Historiker Andre Thieme regte mit einer Betrachtung der Frühgeschichte der Region Heimatforscher an, den eigenen Ort in größere historische Zusammenhänge einzuordnen. So stellte er die gezielte Kolonisation der Region im 11. und 12. Jahrhundert, als es Elsterwerda noch nicht gab, mit Belegen dar. Er erklärte, wie es dazu kam, dass nicht die mächtige Markgrafschaft Meißen, sondern der Bischof vom weit entfernten Naumburg durch eine Schenkung von Burgwarden ab 1046 von Strehla, Gröba und Boritz aus die Kolonisation einleitete. Wiprecht von Groitzsch spielte zu Beginn des 12. Jahrhunderts ebenso eine Rolle für die Besiedlung, welche zum Beispiel mit einer Urkunde für Castrum Saathain 1140 schriftlich bestätigt wird. Im Ergebnis der Besiedlung ab Mitte des 12. Jahrhunderts, so Thieme, sei die Stadt Elsterwerda 50 Jahre später entstanden.

Ralf Uschner ging in der Frage nach, ob EE für mehr als Autokennzeichen steht, und machte den Vorschlag, am 13. April 700 Jahre Elbe-Elster-Land zu feiern. Dieser Tag im Jahr 1312 hält erstmals urkundlich die Bezeichnung ,,Land zwischen Elbe und Elster“ zur Landabtretung fest, hat Uschner herausgefunden. Im Kern ging es Uschner um die Frage, ob der Elbe-Elster-Kreis inzwischen eine eigene Heimatidentität habe und wie die Zuschreibungen Elbe-Elster, Niederlausitz und Lausitz zusammengeführt werden können und wie weit sie in andere verwaltungstechnisch gebildete Kreise hineinreichen. Für ihn sei Elbe-Elster durchaus zutreffend für die Landschaftsbeschreibung. Verschüttetes historisches Bewusstsein müsse wiederbelebt werden. Während sich Walter Kroker (CDU) als erster Landrat des Elbe-Elster-Kreises in der Diskussion bestätigt fühlte, dass man die Bezeichnung damals durchgesetzt habe, fiel auf, dass Uschners Belege für die Elbe-Elster-Region östlich von Doberlug fehlen.

Den Schradenwald betrachtete Dietrich Hanspach unter dem Blickwinkel 800 Jahre Landschaftsgestaltung. Engagiert führte er die Zuhörer von der Schradenwald-Urkunde von 1210 vom Gebiet bei Gröden bis Hohenleipisch über die Schradenteilung 1583 bis in die Gegenwart.

Die jüngste Diskussion zum Rechtsextremismus hat die Notwendigkeit einer ständigen Wertschätzung insbesondere auch der jüdischen Gedenkstätten verdeutlicht. Die jüdischen Gedenkstätten in der Region stellte Steffen Jahre dar. Er legte dar, was zum weiteren Ausbau zum Beispiel in Tröbitz zu tun ist.

Ein weiterer Tagungspunkt war die inhaltliche Neugestaltung des Stadtmuseums Mühlberg und das EU-Kulturerbesiegel. Museumsleiterin Martina Hoffmann und Architekt Onno Folkerts stellten dar, wie Reformationsbewegung und Schlacht um Mühlberg, Kloster Marienstern und Altstadt nach der Umgestaltung des Museums präsentiert und für den Tourismus genutzt werden sollen.