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| 02:40 Uhr

Hauspuschen sollen vor allem gemütlich sein

Meinerzhagen. Hausschuhe fristeten lange ein Dasein jenseits von Mode, Schick und Glamour. Hauptsache gemütlich, hieß hier das Credo. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die Modelle vom unattraktiven Schlappen-Image befreit. Julia Ruhnau

Ein trister grau-brauner Schlappen, ausgelatscht, mit Korksohle: Die Standard-Latschen, in denen die Füße in häuslicher Umgebung stecken, rufen weder modisch noch wohlfühltechnisch Begeisterung hervor. Doch auch wenn ein Hausschuh vor allem praktisch sein und dem Feierabend-Fuß Erholung von Pumps oder engen Schnürschuhen verschaffen soll: Es geht optisch auch ansprechender. "Der Hausschuh hat ein stylishes Image bekommen", konstatiert Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie.

Das liegt unter anderem daran, dass die Mode momentan von einer gewissen Lässigkeit geprägt sei. Auch der Trend zu mehr Häuslichkeit spielt eine Rolle. "Man will es zu Hause nett haben, weil wir uns dort viel aufhalten", sagt Schulz. Dazu gehört der passende Schuh. Generell hat der Kunde Auswahl zwischen drei Grundmodellen: hochgeschlossenen Hüttenschuhen, offenen Pantoffeln und Slippern beziehungsweise Ballerinas. Variiert werden diese durch verschiedenste Stoffe, Muster, Formen oder Applikationen.

"Ein Trend geht Richtung Hüttenschuhe", berichtet Simone Piskol, Modeberaterin aus Sachsen. Das Obermaterial ist entweder aus Filz oder Strick und wird oft mit Mustern in Norweger-Optik verziert. Eine andere Variante sieht eher aus wie eine hohe Stricksocke, die man sich bequem überziehen kann. Für besseren Halt auf dem Boden ist unten eine Sohle angenäht. Dazu gibt es allerlei Verzierungen.

"Der Hausschuh hat sich im Handel zum Geschenkartikel entwickelt", erzählt Schulz. Dazu passt auch, dass er nicht nur in Schuhläden, sondern auch in Dekoläden angeboten wird, erklärt Tiziana Assmann, Stylecoach aus Nordrhein-Westfalen. Nicht nur die ursprünglich als Fußwärmer auf Berghütten erfundenen Filz-Booties sind damit und dank hochwertigerer Materialien salonfähig geworden. Auch Pantoffeln oder Slipper werden modischer. "Es gibt Modelle, die kosten um die 100 Euro", weiß Assmann.

Neben Filz kommen verschiedene Wollen und Felle zum Einsatz. Vor allem Lammfell spielt bei Hausschuhen eine große Rolle. Daneben gibt es "friendly fur", also Kunstfell, in verschiedenen Variationen. Dieser Trend greift auch auf Schuhformen über, die ursprünglich ungefüttert waren. "Es gibt Firmen, die eher aus dem Sommerbereich kommen und jetzt mit Fellausstattung arbeiten", berichtet Schulz. Das Ergebnis: Flip Flops oder Clogs mit Winterfeeling, zum Beispiel in flauschigem Pink, Flieder oder sogar im Leoprint.

Clogs, also Schuhe oder Schlappen mit Holzsohle, findet man auch im Country- oder Cottage style. "Im Sommer sind Clogs ideal", findet Schulz. Es gebe auch Hersteller, die mit Fußbetten arbeiten oder eine Gummisohle für festeren Halt anbringen. Dann kann man die Schlappen auch draußen tragen.

Was dagegen an Bedeutung verloren hat, sind die meist quietschbunten, aus Schaumharz gefertigten Modelle zum Reinschlüpfen. Stattdessen gibt es viele geschlossene Hausschuhe, die an Ballerinas oder bei Herren am Slipper orientiert sind. Sie sind leicht und geben gleichzeitig festen Halt. Modelle gibt es zum Beispiel aus dünnem Leder, mit großen Blumenapplikationen oder in Glitzer-, Tierfell- oder Paillettenoptik.

Schwierig finden die Expertinnen großflächige Tiermuster oder Schuhe mit Ohren und Nase, die zum Beispiel aussehen wie ein ganzer Tigerkopf. "Solche Motive sind schnell albern", findet Piskol. "Der Hausschuh sollte nicht das Erste sein, was ins Gesicht fällt."