"Auf den ersten Blick ist einem gar nicht nach Feiern zumute", sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) zu Beginn des 22. Handwerkerballs am Samstagabend. Die Terroranschläge am Vorabend in Paris sind auch in der Lausitz das Gesprächsthema Nummer eins. Fassungslosigkeit beherrscht die Region.

Angespannte Mienen und unsichere Blicke füllen zunächst das Foyer des Radisson Blue Hotels in Cottbus. Ausgelassene Stimmung - wie zu solchen Anlässen üblich - ist nicht zu spüren. Selbst bunte, glitzernde Roben sieht man an diesem Abend bei den weiblichen Gästen nur selten. Stattdessen tragen die meisten Frauen dezentes schwarz.

"Ziel solcher Anschläge ist es, den gesellschaftlichen Alltag und die Demokratie in Europa zu zerstören. Es kommt darauf an, dass wir uns dieses Leben nicht nehmen lassen - auch nicht das Recht zu Feiern", sagt Albrecht Gerber und spricht damit vermutlich vielen Anwesenden aus der Seele. Mit andauerndem Applaus zeigen Gäste aus Handwerk, Politik und Wirtschaft ihre Zustimmung.

Den tragischen Ereignissen zum Trotz feiern sie daher das Lausitzer Handwerk. Denn es gibt - zumindest in der Region - auch einen Grund zu verhaltener Freude. "Das Handwerk befindet sich auf goldenem Boden. In diesem Jahr haben wir mit 20 Prozent den größten Ausbildungszuwachs zu verzeichnen", sagt Handwerkskammerpräsident Peter Dreißig. Moderatorin Tina-Marlu Kramhöller vom Hörfunksender Antenne Brandenburg bringt die bizarre Situation auf den Punkt: "Unsere Gedanken sind heute Abend dennoch in Paris."

Getanzt wurde dann doch, ein Versuch wohl, ein Stück Normalität in den Abend zu bringen. Die professionellen Musiker von Dayami and Company sorgen dafür für den richtigen musikalischen Rahmen. Sie haben ein breit gefächertes Repertoire von Latin bis Swing und Pop im Gepäck. Einer, der sein Handwerk ebenfalls gut versteht, sorgt für etwas Entspannung im Saal. Der Komiker Jürgen von der Lippe kommt mit seiner gewohnt lässigen Art und seiner frechen Zunge beim Publikum an.

Die Sängerin Linda Jo Rizzo ist am späten Abend mit von der Partie. Die gebürtige New Yorkerin ist mit der Gruppe "The Flirts" in den 1980er-Jahren bekannt geworden. Mit Hits aus dieser Zeit wie "Passion", "You're my first, you're my last" oder Tina Turners "Simply the best" lockt sie die Gäste auf die Tanzfläche und animiert mit ihrem italo-amerikanischen Temperament zum Mitmachen.

Für wenige Stunden rücken die aktuellen Ereignisse in den Hintergrund.

"Der Handwerkerball ist schon immer etwas Besonderes gewesen", sagt der Sportmediziner Fritz Taube. Gemeinsam mit seiner Frau ist er schon das zehnte Mal mit dabei. Viele bekannte Künstler wie Helene Fischer oder Jürgen Drews haben sie so kennengelernt. Er ergänzt: "Damit kann man die Sorgen einen Moment lang vergessen."