Eine neun Meter große Krabbe aus Beton und Glasfaser - damit hat die Ortschaft Ballina an der australischen Ostküste bislang auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt wird es aber deutlich gruseliger: vor der Küste kreuzen neuerdings ungewöhnlich viele Haie. Ein Surfer wurde dort bereits tot gebissen, fast ein Dutzend wurden verletzt. „Wir wollen nicht als Hai-Hauptstadt Australiens berühmt werden“, sagt Bürgermeister David Wright im Rundfunk.

Ein weißer Hai hat vor dem Shelly-Strand in Ballina im Februar einen 41-jährigen Surfer getötet. Im Juli wurde ein 32-Jähriger ganz in der Nähe, am Lighthouse-Strand, lebensgefährlich verletzt. Kurz darauf wehrte ein 52-jähriger Surfer ein paar Kilometer weiter südlich in Evans Head einen Hai ab, der ihn schon von seinem Bord geworfen und ins Bein gebissen hatte. Küstenwache und Lebensretter suchen von Hubschraubern aus und mit Booten die Küstenbereiche ab. Immer wieder werden Strände vorübergehend geschlossen, wenn Haie gesichtet wurden, zuletzt auch der berühmte Bondi-Strand in Sydney.

Mehr als 1500 Kilometer weiter südlich wehrte im Juli ein Surfer einen Bronzehai ab: der 40-Jährige schlug auf das Tier ein und konnte sich verletzt zum Strand retten. Ein weißer Hai tötete vor Tasmanien im Juli einen Muscheltaucher vor den Augen von dessen Tochter.

Laut Statistik gab es 14 tödliche Hai-Attacken in Australiens Gewässern von 2010 bis 2014. In den fünf Jahren davor waren es nur sechs. „Es gibt mehr Angriffe, das stimmt, aber es sind auch mehr Menschen im Wasser“, sagt Hai-Experte Daniel Bucher von der Southern Cross-Universität der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass in diesem Jahr deutlich mehr Tiere gesichtet wurde. Wo kommen sie plötzlich her?

„Wir haben Warmwasserströme voller Beutefische, die die Ostküste entlang Richtung Süden fließen. Dieses Jahr dauern sie länger und sind näher an der Küste als sonst“, sagt Bucher. Das könnte auf schwere Regenfälle an der Küste weiter nördlich in Queensland zurückzuführen sein. Oder auf zyklische Strömungen aus der Tiefe des Meeres. Die Ursachen würden noch erforscht.

„Haie lauern den Menschen nicht auf“, sagt Bucher. Aber ein Surfer, der auf seinem Bord paddelt, sehe einem großen Seehund ähnlich, und der sei eine Delikatesse für Haie. „Sie pirschen sich vorsichtig von hinten an das Bord heran und beißen ein Stück ab, um zu sehen, wie es schmeckt“, sagt Bucher. „Leider kann ein Biss in die Beine für Menschen tödlich sein.“

Surferclubs und Küstenorte, die vom Tourismus leben, sind alarmiert. Sie verlangen, dass etwas getan wird: „Wir haben alle möglichen Abschreckmethoden diskutiert, aber die meisten Leute sind erstmal dafür, dass ein paar der Haie, die hier vor der Küste kreuzen, getötet werden“, sagte der Präsident des Surfclubs Lennox Head-Ballina Don Munro der Zeitung „Gold Coast Bulletin“.

Davon wollen die Behörden nichts wissen. Haie sind geschützt. „Wir sollten uns im Klaren sein, dass der Ozean den Haien gehört“, sagt Niall Blair, Fischereinminister des Bundesstaates New South Wales. Er will weder den rund 1200 weißen Haien, die nach einer Studie in den Gewässern vor der Ostküste schwimmen, noch Exemplaren anderer Arten an den Kragen.

Er lässt nun Überwachungs- und Abwehrmethoden prüfen, darunter die Idee, weitläufig eine Art Vorhang aus Luftbläschen um Strände zu schaffen, die aus Rohren im Meer entweichen. Das wurde im vergangenen Jahr an der Westküste getestet. „In einigen Zonen hat das Haie abgeschreckt, aber nicht lange“, so das Fazit der Wissenschaftler der Universität von Westaustralien. „Sie gewöhnten sich schnell daran und schwammen dann durch den Bläschen-Vorhang.“

Blinkleuchten schreckten nur einige Haiarten ab. Fußbänder, die ein elektronisches Spannungsfeld um den Menschen erzeugen, werden noch getestet, ebenso, ob Netze die Haie abhalten, oder Sonartechnik das schafft. Jabez Reitman ist in der Nähe von Ballina dieses Jahr schon drei Mal auf Tuchfühlung mit einem Hai gekommen. Einer packte ihn am Rücken, Reitman zeigte dem „Gold Coast Bulletin“ seine lange Narbe. Aufhören? Keinesfalls, sagt er. „Ich müsste schon verstümmelt werden oder ein Bein verlieren und nicht mehr können.“