Jeans sind nicht nur Alltagsdress, sondern Kult. Passen und halten sollen sie trotzdem und das in jeder Preislage, meint Stiftung Warentest. Die Prüfer nahmen sich aus dem Angebot für Männer eine breite Palette der beliebten Hosen vor: von der Billigjeans für zehn Euro bis zum amerikanischen Topmodell. "Ob schnörkellos klassisch oder laufstegtauglich - modische Aspekte spielten bei diesem Test keine Rolle. Die sind reine Geschmackssache", zeigt Stiftung Warentest in seinem Verbrauchermagazin auf.

Mängel in allen Preislagen. Die schicke 7 for all mankind aus den USA für knapp 250 Euro ist gut, die unscheinbare Kik für zehn Euro immerhin noch befriedigend. Doch Macken haben beide. Die teuerste Hose im Test passt exzellent, scheuert aber relativ schnell durch. Die Jeans vom Textildiscounter ist robuster, verdreht aber nach dem Waschen die Beine. Dann sitzen die Nähte am Unterschenkel nicht mehr seitlich, sondern weiter vorn. "Das sieht billig aus, der Schnitt ist hin", bewerten die Tester.

Gut und günstig. Unter den neun guten Jeans finden sich drei, die weniger als 50 Euro kosten. Es sind Zara Slim fit 003 und For friends FF slim straight fit für je 26 Euro sowie H & M Original regular waist straight leg für 40 Euro. Überhaupt machen alle Jeans eine erstaunlich passable Figur. Richtig schlecht ist keine einzige. Die Modelle von Jack & Jones und Diesel sowie die G-Star scheuern schneller durch, ihre Haltbarkeit ist aber ausreichend. Löcher gehören eben bei Jeansträgern häufig zum guten Ton.

Kaum Schadstoffe im Stoff. Jeans werden oft mit Chemikalien bearbeitet. Umso erstaunlicher, dass die Prüfer kaum Schadstoffe fanden. Lediglich in den Modellen von Lee (90 Euro) H & M (40 Euro) und Levi's (90 Euro) registrierten die Messgeräte geringe, für den Träger harmlose Spuren von Schwermetallen oder Formaldehyd. In der neuen Wrangler Texas (75 Euro) fand sich etwas mehr Kupfer. Nach der ersten Wäsche war aber auch das kaum noch nachweisbar.

Wenn die Jeans schmutzig ist. Die Waschanleitungen betonen oft, die Jeans von links und separat zu waschen. Manche Anbieter empfehlen sogar Feinwaschmittel plus Schonwaschgang zu benutzen. Das ist übertrieben, sagen die Tester. Bei ihnen rotierten die Jeanshosen gemeinsam im normalen Buntprogramm bei 40 Grad mit pulverförmigem Colorwaschmittel. Andere Textilien wurden bei dieser Vorgehensweise kaum verfärbt. Teilweise wusch sich zwar recht viel Farbe aus, aber die landete meist im Abwasser. Nur der gewollt schmuddelige Ton der Nudie Average (139 Euro) färbte ab. Spätestens nach zehn Wäschen war von diesem modischen Dirty Style nichts mehr übrig. Das sei recht enttäuschend bei einer Hose für diesen stolzen Preis, resümieren die Warentest-Prüfer.

Abfärben nicht vermeidbar. Unliebsame Überraschungen drohen grundsätzlich durch alle Jeans: Der blaue Stoff kann durch Reibung abfärben, bei billigen genauso wie bei teuren Hosen. "Das passiert besonders dann, wenn er feucht geworden ist, etwa durchs Schwitzen oder bei Regenwetter", zeigt Stiftung Warentest in seiner aktuellen Zeitschrift auf. Entscheidend für den Preis sind nach dem Urteil der Tester in erster Linie das Design und der klangvolle Name des Labels oder der Marke.

Wie produziert wird. Mehr als jeder zweite Jeanshersteller, dessen Jeans Stiftung Warentest prüfte, legte seine soziale und ökologische Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) nicht offen: Diesel, Hugo Boss, Jeans Fritz, Kuyichi und Salsa - ebenso 7 for all mankind, Lee und Wrangler, die zur VF Corporation gehören. Die VF Corporation ist das größte Textilunternehmen der Welt.

Immerhin sieben Jeansanbieter öffneten den Testern die Fabriken: von H & M und Kik in Bangladesch über Levi's in Pakistan, Jack & Jones in der Türkei, Zara in Marokko bis hin zu G-Star und Nudie in Italien. Wirklich starkes Engagement fanden sie nirgendwo. Auch in Italien, dem Hauptproduzenten für Jeans in Europa, gab es große Schwachstellen: Lieferanten werden ungenügend kontrolliert, teils fehlt es an Arbeitnehmervertretungen. Am Ende stehen H & M und Zara am besten da. Selbst Jeans-Urgestein Levi's bekommt nur CSR-Ansätze bescheinigt. Ausführlich in test 10/11von Stiftung Warentest

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HintergrundArbeitsschutz oft eine Katastrophe. Jeans werden mithilfe von Chemikalien, Bimssteinen oder Sand bearbeitet, sodass sie den angesagten Look bekommen. Oft sind es junge Leute, die auf dem blau getränkten Denim herumschrubben, doch Atemschutzmasken und Handschuhe oft nicht tragen. Es passiert, dass Arbeiter in Ohnmacht fallen, weil sie bei Hitze Chemikalien aufsprühen und die Belüftung ausgestellt wurde. Beim Sandstrahlen kann der feine Staub die Lungen schädigen und Silikose (Staublunge) auslösen. Bis heute sind 700 Todesfälle registriert. Die Türkei hat Sandstrahlen inzwischen verboten. Gut zu wissen: Von den 15 von Stiftung Warentest geprüften Hosen wurde keine mit Sand behandelt.