„90 Prozent der
Deutschen sind falsch und zu teuer versichert“
 Sabine Klauke-Fritschka
von der Verbraucherzentrale Cottbus


„Ich habe gute Neuigkeiten für Sie“ , sagt Sabine Klauke-Fritschka von der Verbraucherzentrale Cottbus schon zur Begrüßung. Auf ihrem Tisch liegen drei dicke Ordner mit den Versicherungsunterlagen von Familie Mitschke & Kaltenbrunner. Die Finanzexpertin hat die Verträge schon im Vorfeld durchgesehen und „keine überflüssigen Policen“ gefunden. „Da sind Sie wirklich eine Ausnahme“ , sagt sie anerkennend. Denn rund 90 Prozent der Deutschen seien falsch und zu teuer versichert. Zu den verzichtbaren Policen gehören für die Finanzexpertin beispielsweise die Krankenhaustagegeld-, die Sterbegeld-, die Insassenunfall-, aber auch die Handy- oder die Reisegepäckversicherung.
„Grundsätzlich sollten nur existenzielle Risiken abgesichert werden“ , betont Klauke-Fritschka. Ein gestohlenes Fahrrad oder eine zerbrochene Scheibe seien ersetzbar. Dagegen sieht sie die Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Risikolebensversicherung für junge Familien als „absolutes Muss“ an. Unumgänglich seien auch die private Haftpflicht und für Autobesitzer die Kfz-Police. Bei der Letzteren haben die Ogrosener das größte Sparpotenzial.
Für ihren acht Jahre alten Audi mit 110 Kilowatt und einer jährlichen Laufleistung von 27 000 Kilometern zahlt Birgit Mitschke jeden Monat knapp 74 Euro. Im Laufe des Jahres kommt die 35-Jährige, die seit 1989 unfallfrei fährt, auf eine Summe von 884 Euro. „Das sind 420 Euro zu viel“ , stellt Klauke-Fritschka fest. Für 464 Euro gibt es die Police bei der Huk24, einem Internetanbieter. Schäden bis zu einem Wert von 100 Millionen Euro sowie der Schutzbrief sind hier inklusive. „Der Wechsel von der Voll- zur Teilkasko lohnt sich für Sie nicht“ , sagt die Verbraucherschützerin. Durch die günstige Schadensfreiheitsklasse sei der Unterschied in den Beiträgen nur minimal.
Zusätzlich 22 Euro sparen könnte die Ogrosenerin aber, wenn sie auf die freie Werkstattwahl verzichtet und ihren Wagen in einem von der Versicherung vorgeschlagenen Betrieb reparieren lässt. Doch darauf lässt sich Birgit Mitschke nicht ein. „Für mich ist die Reparatur des Autos eine Vertrauenssache“ , begründet sie. Deshalb will sie die Werkstatt selbst aussuchen können.
Private Haftpflicht: Auch hier kann die vierköpfige Familie 26 Euro pro Jahr sparen. „Gleichzeitig erhöht sich der Versicherungsschutz auf das 50-fache“ , betont Klauke-Fritschka. Der bisherige Versicherer, bei dem für einen Jahresbeitrag von 86 Euro Schäden bis zu einer Millionen Euro abgedeckt sind, wird von der Huk24 unterboten: 60 Euro Beitrag pro Jahr, 50 Millionen Versicherungssumme, Forderungsausfalldeckung - so lauten hier die Vertragsbedingungen. „Die Forderungsausfalldeckung, die einspringt, wenn dem Versicherten ein Schaden entsteht, der Verursacher aber nicht zahlen kann, empfehle ich Jedem“ , erklärt die Expertin. Darüber hinaus gebe es eine Reihe von Zusatzleistungen, die je nach familiärer Situation nützlich sein können. So übernehmen einige Versicherer Schäden, die beim Hüten fremder Hunde entstehen oder durch Kinder unter sieben Jahren verursacht werden. „Bis zu diesem Alter sind Kinder deliktunfähig. Weder sie noch ihre Eltern können zur Verantwortung gezogen werden.“ Allerdings sei es für viele eine Frage der Moral, den Schaden zu ersetzen.
Unfallversicherung: Die Kinder für den Invaliditätsfall mit einer monatlichen Rente von 250 Euro abzusichern, findet die Verbraucherschützerin „nicht falsch“ . Der Komforttarif der Cosmos-direkt mit einem Jahresbeitrag von 108 Euro sei sogar „top“ . „Überflüssig ist aber das Krankenhaustagegeld“ , betont Klauke-Fritschka. Schließlich seien Kinder von der Zuzahlung befreit - und ohne diesen Zusatz sei die Police 15 Euro günstiger.
Hausrat: „Um im Schadensfall nicht unterversichert zu sein, muss jeder Quadratmeter mit durchschnittlich 650 Euro versichert werden“ , sagt Klauke-Fritschka. Mit ihrem 140-Quadratmeter-Haus kommen die Ogrosener dabei auf eine Versicherungssumme von 91 000 Euro. „Das ist viel zu hoch“ , ist sich Birgit Mitschke sicher. Derzeit habe sie einen Betrag von 54 000 Euro versichert, was vollkommen ausreiche. „Dann müssen Sie der Versicherung gegenüber aber belegen können, dass Ihr Hausrat wirklich weniger wert ist“ , betont Klauke-Fritschka. Das sei durch Fotos, Quittungen und andere Belege möglich. Der günstigste Hausrat-Anbieter ist hier wiederum die Huk24 mit einem Jahresbeitrag von 38 Euro. Das sind 62 Euro weniger als beim jetzigen Versicherer.

Schäden, die durch Feuer, Sturm, Hagel oder Leitungswasser am Haus entstehen, werden durch die Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Versichert ist auch fest eingebautes Mobiliar wie Einbauschränke oder Teppichböden. Diese könnten zwar über die Hausratpolice versichert werden, doch das ist in der Regel teurer. Bei der DBV Winterthur kostet der Schutz für das zehn Jahre alte Haus 110 Euro pro Jahr - und damit 17 Euro weniger als bisher.
Berufsunfähigkeit: „Bei dieser Versicherung sind die Bedingungen das Allerwichtigste“ , betont Klauke-Fritschka. Die Klausel „ab strakte Verweisung“ , mit der die Versicherung im Schadensfall auf eine vergleichbare Tätigkeit verweisen könnte, sollte gemieden werden. Zu empfehlen sei hingegen die Sechs-Monats-Prognose. „Sobald ein Arzt die Berufsunfähigkeit für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert hat, gibt es das Geld“ , sagt die Verbraucherschützerin.
Der Versicherungsschutz sollte zudem mindestens bis zum 65. Lebensjahr reichen. Die Verträge von Birgit Mitschke und ihrem Mann Andreas Kaltenbrunner enden jedoch schon fünf Jahre früher. Würden beide neue Verträge abschließen, müsste die 35-jährige Krankenschwester jetzt aber mit Mehrkosten von 168 Euro pro Jahr rechnen, ihr ein Jahr älterer Mann würde als Schlosser sogar 368 Euro mehr als bisher zahlen.
„Das größte Hindernis ist jedoch die erneute Gesundheitsprüfung“ , warnt Klauke-Fritschka. Alle Vorerkrankungen müssten wahrheitsgemäß und detailliert angegeben werden, sonst könnte die Versicherung im Schadensfall die Zahlung verweigern. „Beispiele dafür gibt es genügend.“ Gleichzeitig führen die angegebenen Erkrankungen zu höheren Beiträgen oder schlimmstenfalls zur Ablehnung des Vertrages.
Risikolebensversicherung: „Die vermisse ich bei Ihnen“ , sagt Sabine Klauke-Fritschka. Bei zwei und ab Juli drei Kindern sowie einem noch laufenden Hypothekendarlehen sei das jedoch eine der wichtigsten Versicherungen - für die nächsten 20 bis 25 Jahre, „bis die Kinder selbstständig sind.“ Der Vertrag mit einer Versicherungssumme von 150 000 Euro, dem „absoluten Minimum“ , kostet bei der Asstel Versicherung für Birgit Mitschke 150 Euro pro Jahr, für ihren Mann 209 Euro. „Das Geld, das Sie bei der Kfz-Police sparen, könnten Sie dafür investieren“ , schlägt die Finanzexpertin vor. Selbst in diesem Fall hat die Familie durch den Versicherungs-Check insgesamt 181 Euro pro Jahr gespart.

In der nächsten Folge
am 31. März lesen Sie:
Die richtige Altersvorsorge -
was Riester & Co. bringen