Der Mann klingt so freundlich am Telefon. "Sie haben mal Teppiche bei mir gekauft. Ich könnte sie ihnen nun zu einem Sonderpreis reinigen", sagt der Anrufer zu einer älteren Dame. Die fast 90-jährige Frau lässt sich darauf ein, tatsächlich werden die Teppiche gereinigt - für 3000 Euro. "Senioren werden deutlich häufiger betrogen als beraubt", sagt Monika Weiß, Ansprechpartnerin beim Landeskriminalamt (LKA) in Berlin, zum Thema Seniorensicherheit. Sie gibt ein paar Tipps:

Immer dieselben Tricks in neuen Varianten. Das beste Mittel gegen Betrug ist Misstrauen. Die Tricks sind im Prinzip immer die gleichen, es gibt aber stets neue Varianten. Weiß teilt die Tricks in drei Kategorien auf: Die Täter suchen angeblich Hilfe, sie geben eine falsche Identität an oder sie täuschen eine Bekanntschaft vor. Vor allem der "Enkeltrick" ist bekannt. Die Täter suchten im Telefonbuch nach Menschen mit Vornamen, die nach einer älteren Person klingen, erläutert Helmut Rüster von der Opferhilfe "Weißer Ring" in Mainz - etwa "Heinz" oder "Edeltraud". Dann beginnt das Gespräch mit einem Satz wie "Hier ist dein Enkel" oder "Rate mal, wer hier ist?"

Der Täter schafft es schnell, eine scheinbare Vertrautheit herzustellen. Dann stellt er seine Forderung: Angeblich braucht er sofort dringend Geld - etwa für eine Autoreparatur oder eine teure ärztliche Behandlung. Er baut Druck auf, ruft mehrfach an, lässt den Senior kaum zum Nachdenken kommen.

Niemals familiäre oder finanzielle Details preisgeben. Senioren sollten nie Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen preisgeben, rät Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention in Stuttgart. Der beste Schutz ist, kommentarlos den Hörer aufzulegen.

Tür sichern. Häufig nehmen die Betrüger auch eine falsche Identität an, dann treten sie etwa als Polizist, Handwerker, Bankangestellter oder Mitarbeiter der Stadtwerke auf. Grundsätzlich gilt: Erst mal keinen in die Wohnung lassen, sondern in einer sicheren Position bleiben - etwa mit Kette vor der Tür, an der Sprechanlage oder am Fenster. "Man sollte genau fragen, woher die Leute kommen", rät Weiß vom Berliner LKA.

Ausweis prüfen, Kontrollanruf tätigen. Die Betrüger wedeln in diesem Fall gern mit einem Ausweis herum - den sollten sich die Senioren genau anschauen. Manche Ganoven haben sich nicht die Mühe einer Fälschung gemacht, sondern halten etwa einen Fitnesscenter-Ausweis vor.

Wirkt der Ausweis echt, lässt der vorsichtige Senior den unangekündigten Besuch trotzdem vor der Haustür stehen, sucht sich am besten im Telefonbuch die Nummer der angegebenen Dienststelle oder Firma heraus und fragt dort nach. Spätestens dann trollt sich der Betrüger in der Regel.

Den Fremden verunsichern. "Dem Täter muss klar werden, dass da jemand aufpasst", erklärt Rüster vom Weißen Ring. Deutliche Signale an ihn sind Sätze wie: "Sie werden sicher Verständnis haben, dass ich da vorsichtig bin und mich erst mal erkundige." Sinnvoll ist es auch, beim Nachbarn zu klingeln - die Anwesenheit eines weiteren Menschen wirkt auf den Betrüger abschreckend. Oft lauert noch ein weiterer Täter im Hintergrund. Hat sich sein Komplize Zugang zur Wohnung verschafft, dringt er ebenfalls ein, stiehlt Wertsachen.

Sind Senioren betrogen worden, hat das nicht nur finanzielle, sondern auch psychische Folgen. "Es ist ein Vertrauensverlust", sagt Weiß. Oft droht auch Ärger mit der verständnislosen Verwandtschaft.

Zum Thema:
Enkeltrick-Betrüger haben in den vergangenen Wochen häufig zugeschlagen. So wurden im November Betrugsversuche aus Guben und vor Weihnachten aus Senftenberg gemeldet. Die betroffenen Senioren haben jedoch nach Auskunft der Polizei richtig und schnell reagiert, sofort Nachfragen gestellt oder den echten Verwandten angerufen, sodass die Täter nicht erfolgreich waren. In Cottbus hatte ein Betrüger versucht, per Telefon Geld zu ergaunern. Der Angerufene informierte sofort die Polizei, die ihn bei der fingierten Geldübergabe festnehmen konnte. Nach dem Jahreswechsel wurden aus Ostsachsen mehrere ähnlich geartete Betrugsfälle bekannt. Die Summen, um die es in den genannten Fällen ging, beliefen sich zwischen 2000 und 30 000 Euro. Die Polizei mahnt ausdrücklich, in Verdachtsfällen die Dienststelle unter dem Notruf 110 zu informieren. red/dpa/gzn