Eine zu früh veröffentlichte Pressemitteilung hat im Prozess über das geplante Berliner "Körperwelten"-Museum für Ärger gesorgt - und diesen verzögert. Das Bezirksamt Mitte hatte schon kurz nach Beginn der Verhandlung am Dienstag eine Mitteilung über den Ausgang des Gerichtsverfahrens versandt. Die Klägerin - das Unternehmen, das die Ausstellungen des Leichenpräparators Gunther von Hagens organisiert - hielt die Richter daher für befangen. Er gehe davon aus, dass die Kammer das Bezirksamt über den Inhalt des ausstehenden Urteils informiert habe, sagte ihr Rechtsanwalt Holger Schmitz.

Von einem versehentlich verschickten Entwurf sprach dagegen die Leiterin des Rechtsamts, Luise Geisler-Ortmann. Die Kammer habe nichts davon gewusst, sagte der Vorsitzende Richter Björn Schaefer. Andere Richter müssen nun am kommenden Freitag entscheiden, ob die Kammer befangen ist. Sollte dies nicht der Fall sein, wird es dann ein Urteil geben. Von Hagens will im Fernsehturm am Alexanderplatz dauerhaft plastinierte Körper ausstellen. Das Verwaltungsgericht muss klären, ob die Ausstellungsstücke Leichen sind. Der Bezirk hatte die Eröffnung des Museums mit Hinweis auf das Bestattungsrecht untersagt. Er wirft den Ausstellungsmachern "Sensationslust" vor. Nicht wenige der für den Fernsehturm vorgesehenen Ausstellungsstücke stammen aus der Plastinate GmbH in Guben. Der Geschäftsführer Rurik von Hagens sagte erst vor wenigen Tagen im RUNDSCHAU-Interview: "Wir gehen fest davon aus, dass das Museum in Berlin geöffnet wird."