Totenschädel sind auf Stahl stäbe gespießt, von der Hallendecke baumeln menschliche Skelette. Einige Männer und Frauen haben sich über Leichenteile gebeugt und entfernen mit Pinzetten Haut- und Bindegewebe, um es später durch Silikon zu ersetzen. Dies gehört zum Plastinationsverfahren, das der umstrittene Anatom Gunther von Hagens zum Konservieren und Ausstellen von präparierten Leichen von Tier und Mensch in teils bizarren Posen entwickelte. Wegen Umbauarbeiten blieb das Plastinarium in Guben in Südbrandenburg seit Anfang 2009 für die Öffentlichkeit geschlossen. Doch in fünf Wochen können wieder Besucher kommen. "Am 28. Mai wird die Plastinarium-Ausstellung als anatomisches Kompetenzzentrum wiedereröffnet", kündigt von Hagens an. "Dazu ergänzen wir im Erdgeschoss die Anatomieschau durch eine Darstellung zur Geschichte der Konservierung von Menschen- und Tierkörpern und gestalten den Schauraum in einen Verkaufsschauraum für anatomische Präparate um", erläutert der 65-Jährige. Außerdem werde die Präparationswerkstatt in eine Lernwerkstatt für Medizinstudenten, medizinisches Fachpersonal und interessierte Besucher umgewandelt, bemerkt von Hagens. "Wir wollen hier täglich zwei Führungen anbieten, für die man sich aber vorher anmelden muss", erläutert Vertriebsleiterin Angela Nelk. "Damit die Mitarbeiter in der Lernwerkstatt trotz Publikums künftig in Ruhe arbeiten können, sollen ihre Arbeitsplätze in einen Seitengang hinter großen Glasscheiben verlegt werden", bemerkt Anja Woitke. Sie ist für das neue Konzept verantwortlich. Es umfasst fünf anatomische Bereiche, darunter die Darstellung des Verdauungstraktes und des Herz-Kreislauf-Systems. Von Hagens hat mit seinen umstrittenen "Körperwelten"-Schauen bisher weltweit etwa 30 Millionen Besucher angezogen. Dabei gab es auch Proteste von aufgebrachten Bürgern und Kirchenvertretern, die ihm Pietätlosigkeit und die Störung der Totenruhe vorwarfen. So war es auch bei der Eröffnung des Plastinariums Ende 2006 oder bei einer Schau im August 2009 in Berlin. Doch davon lässt sich der 65-Jährige nicht beeindrucken, denn "Plastinate toter Menschenkörper haben keine Seele", wie er betont. Bisher reißt die Zahl der Körperspender nicht ab, 8500 sind es bisher in Deutschland. Entgegen allen Unkenrufen ist die Gubener Plastinate GmbH in der Grenzstadt, wo jeder Fünfte ohne Arbeit ist, zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Dort arbeiten jetzt mehr als 200 Menschen. Mit dem Verkauf soll zur Wiedereröffnung Ende Mai begonnen werden, wie Verkaufsleiterin Nelk ankündigt. So müssen die Käufer für die Kopfscheibe eines Menschen bis 1200 Euro hinblättern, für eine Ganzkörperscheibe das Zehnfache.