Offenbach. Bundespräsident Joachim Gauck will nach dem tragischen Tod von Tugce A. einen Verdienstorden für die Studentin prüfen. Das teilte er am Samstag mit. In einem Beileidsschreiben an die Familie betont Gauck nach Angaben des Präsidialamts, die junge Frau habe "unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient". Sie werde immer ein Vorbild bleiben. "Wo andere Menschen wegschauten, hat Tugce in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen."

Die Studentin, die nach einer Prügelattacke starb, hilft auch nach ihrem Tod anderen Menschen: Drei Ärzteteams entnahmen ihr im Klinikum im hessischen Offenbach mehrere Organe, nachdem die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet worden waren.

Hirntot war Tugce bereits seit Mittwoch. Am vergangenen Freitag wäre sie 23 Jahre alt geworden. 1500 Menschen verabschiedeten sich in einer bewegenden Feier vor der Klinik. Auch in Berlin wurde am gestrigen Sonntag an die junge Frau erinnert: Etwa 300 Menschen haben sich zu einer Veranstaltung zu Zivilcourage in Kreuzberg getroffen.

Vor zwei Wochen war Tugce A. aus dem hessischen Gelnhausen von einem heftigen Schlag getroffen worden und gestürzt. Der mutmaßliche Schläger, ein 18- Jähriger, sitzt in Untersuchungshaft. Tugce hatte vermutlich zwei Mädchen bei einem Streit vor einem Fast-Food-Restaurant zu Hilfe kommen wollen. Die Restaurantkette McDonald's Deutschland zeigte sich betroffen über die Nachricht vom Tod der jungen Frau. Der brutale Überfall "hat auch uns, insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Restaurants in Offenbach Kaiserlei, fassungslos gemacht", schrieb das Unternehmen. Die Filiale blieb aus Respekt vor den Angehörigen bis in den Samstag hinein geschlossen.

Seit dem Schlag hatte Tugce im Koma gelegen. Sie besaß einen Organspendeausweis. Tugces Leichnam sollte nach der Organentnahme in die Gerichtsmedizin gebracht werden. Bisher ist unklar, ob die Studentin durch den Schlag am frühen Morgen des 15. November tödlich verletzt wurde oder durch den Aufprall auf das Pflaster des Parkplatzes vor dem Restaurant. Gegen den mutmaßlichen Täter wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.