,,Die Lieblingsfrage der Leute ist, ob sie ein Recht auf Grillen haben", sagt der Rechtsanwalt Christoph Nestor vom Mieterverein Heidelberg. ,,Haben Sie nicht", lautet die Antwort. ,,Bezüglich des Grillens gibt es im Miet- und Wohnungsrecht zwar keine konkreten Regeln", fügt Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus und Grund in Berlin hinzu. Aber es gibt zahllose Gerichtsentscheidungen. Das hilft bei der Rechtsfindung - macht es für Laien aber nicht leichter.

Schluss ab 22 Uhr

Wer auf dem Balkon oder im Innenhof eines Mietshauses grillt, muss spätestens um 22 Uhr einpacken. ,,Zusätzlich sollten Mieter die Hausordnung kennen, die auch davon abweichende Zeiten vorschreiben kann", erläutert Rechtsexperte Kai Warnecke von der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund in Berlin. In vermieteten Mehrfamilienhäusern könne das Grillen auch generell verboten oder beschränkt sein.

Das Bayerische Oberste Landesgericht entschied, dass ein Hauseigentümer nur am äußersten Ende des Gartens, 25 Meter vom Haus entfernt, seinen Grill aufstellen und höchstens fünfmal im Jahr auf dem Holzkohlefeuer grillen darf (Az.: 2 ZBR 6/99).

Frage der Beeinträchtigung

Die Frage nach der zulässigen Häufigkeit muss sich stellen, wer einen Nachbarn hat, der sich gestört fühlt. Einmal im Monat, dreimal im Jahr - auch Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin kennt etliche Urteile zum Grillen. Doch das sei ,,alles ziemlicher Quatsch" und lasse sich nicht verallgemeinern.

Grundsätzlich gelte zunächst einmal das Gebot der Rücksichtnahme, sagt Sylvia Sonnemann vom Mieterverein Hamburg - zwischen Mietern wie zwischen Eigentümern. Danach ist Grillen verboten, wenn es zu einer Beeinträchtigung der Nachbarn führt. Am Wort ,,Beeinträchtigung" scheiden sich allerdings die Geister. Für Nestor liegt der Fall klar: ,,Beeinträchtigung" sei, wenn man Rauch einatmen müsse. Rechtlich geht es allerdings ,,um Qualm, und nicht um Geruch", erklärt Ropertz. Das bedeutet: ,,Dem Vegetarier, dem von gegrilltem Schweinebauch übel wird, kann ich nicht helfen." Der Nachbar, dessen Wäsche permanent vom Grill eingeräuchert wird, hat allerdings das Recht auf seiner Seite.

Einen Vorschlag zur Güte macht der Rechtsanwalt Norbert Schönleber aus Köln: Viele Probleme ergeben sich nur, ,,weil es beim Grillen schnell, schnell gehen soll", sagt der Experte von der Arbeitsgemeinschaft Miet- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein in Berlin.

Mehr Zeit statt Spiritus

Statt mit Unmengen von Spiritus oder Brennbeschleunigern zu arbeiten und das Grillgut in die Flammen zu legen, rät Schönleber zu mehr Geduld. Richtig sei, den Grill rechtzeitig anzuzünden, nicht zu hoch abbrennen zu lassen und nur auf der Glut zu brutzeln. Das sei auch gesünder und produziere weniger Rauch.