Mit einer stichhaltigen Begründung, aber trotzdem unberechtigt und zum finanziellen Nachteil der Dörfer - kritisiert der Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben (CDU). Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) zeigt sich über diese "angezettelte Neid-Diskussion" höchst verwundert.

Ein denkmalgeschützter Vierseitenhof am Markt in Großräschen soll mit Geld aus dem Förderprogramm der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) zum "Haus der Landwirtschaft" ausgebaut werden. Mit dem Konzept hat die Stadt Großräschen bereits alle entscheidenden Hürden genommen. Im Januar soll der aussichtsreiche Antrag für das

1,5-Millionen-Euro-Projekt in der Stadtmitte gestellt werden.

Für Vorhaben in der Innenstadt ist das Geld aber nicht gedacht, behauptet Ingo Senftleben. Das Ortrander Stadtoberhaupt verweist auf zahlreiche abgelehnte Förderanträge für zweifelsfrei zugriffsberechtigte ländliche Ortsteile, von Dörfern und Kleinstädten im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Senftleben kündigt für den Fall, dass Großräschen die öffentlichen Mittel für den Hof erhalten sollte, nachdrücklich sein Veto an. "Diese Fördergelder werden allein für die Entwicklung der ländlichen Region und die Stärkung der Umlandfunktion von Kleinstädten bereitgestellt", sagt er. Großräschen erhalte als Wachstumskern-Stadt jährlich bereits einen Sonderbonus in Höhe von 400 000 Euro aus der Landeskasse. Auf Kosten des ländlichen Raumes könne sich die bereits gut unterstützte Kommune nicht einfach bedienen.

Die Kernstadt Großräschens mit ihren etwa 8000 Einwohnern ist "eine klassische, europäische Kleinstadt im ländlichen Raum", sagt Thomas Zenker. Darüber hinaus eröffnen die Förderbedingungen für überzeugende Einzelvorhaben generell die Chance auf Finanzspritzen aus dem ländlichen Fördertopf. In dem kulturhistorisch wertvollen Vierseitenhof am Großräschener Markt, der ein Dorfanger mit städtischen Elementen sei, sollen ein Landtechnik-Museum, eine Wohnung und ein Hofladen für bäuerliche Produkte von Erzeugern der gesamten Region entstehen. Zudem ist ein Grünes Klassenzimmer geplant, um Schüler für Landwirtschaftsberufe zu begeistern und dem Fachkräftemangel in diesem Wirtschaftszweig entgegen zu wirken. Räume für die Volks- und Raiffeisenbank sowie eine Kelterei oder Mosterei sollen eingerichtet werden. Positive Effekte für das Umland seien unstrittig.