Petrus 1,3

Geborenwerden - keiner kann sich an seine eigene Geburt erinnern. Aber die Mütter wissen immer viel davon zu berichten. Wiedergeburt, und wer kann sich daran erinnern? Es ist wie mit Ostern: Merken wir die Zeit nach Ostern anders als die Zeit vor Ostern? Oder: Lebten die Menschen vor Jesus ihre Zeit anders als die Menschen nach Jesus und seiner Auferstehung? Die Christen haben nicht weniger Probleme als andere Menschen. Krankheit und Sorgen gehen an ihnen nicht vorbei - wie an Jesus. Auch an ihm gingen die Schwierigkeiten nicht vorbei, sie führten ihn vielmehr in den Tod. Erst dann kam die Auferstehung. Die Auferstehung erst nach dem Tod, die Wiedergeburt nicht ohne Leid - lohnt es sich da, wiedergeboren zu sein? Lohnt es sich da, Christ zu sein?

Manch einer legt für sein Kind ein Sparbuch an. Das Geld, was darauf eingezahlt wird, gehört dem Kind, aber das Kind kann natürlich trotzdem damit nicht machen, was es will. Das Geld steht unter der Verwaltung der Eltern. Für das Kind ist das eine Art Zwischenzustand: Das Geld gehört ihm, aber trotzdem merkt es noch nicht viel von ihm. Aber das Kind kann wissen: Das ist mein Besitz, und einmal werde ich mich in vollem Umfang darüber freuen können.

Freilich: Es mag die Situation kommen, da das Kind vor einem Laden steht und sich etwas kaufen will und es nicht darf. Da gibt es Tränen. Und niemand sollte meinen, daß solche Tränen für das Kind nicht wirklichen Schmerz bedeuten. Die Eltern aber haben es sich anders gedacht - und wenn das Kind eines Tages selbst über das Geld verfügen kann, wird es das vielleicht auch einsehen.

So ist unser Leben: Wir sind schon wiedergeboren, Gott hat uns das ewige Leben geschenkt, er hat uns den Himmel versprochen - aber wir sind noch nicht dort. Trotzdem haben wir die Liebe Gottes und sein Versprechen auf unserer Seite. Das macht doch den Grund einer Hoffnung aus: ein Versprechen sicher zu haben. Das Versprechen heißt: Leben in ewiger Freude. Lohnt sie das?

Diese Frage muß jeder für sich beantworten. Gott bietet jedenfalls allen seine Liebe an, allezeit - eine Liebe, die am Tod nicht Halt macht, sondern zum ewigen Leben führt. Ostern ist der Garant dafür. Deshalb ist die Zeit nach Ostern ganz anders als die Zeit vor Ostern, weil der Sieg des Lebens für alle, die ihn annehmen, fest versprochen ist.

Ingolf Walther ist

Pfarrer in Uebigau