Die Kindheit als Bauernsohn in der Nähe von Leipzig, die Flucht in den Westen, die bedrückende Zeit der Teilung - das alles hat Köhler nicht vergessen. „Die DDR ist zum Glück Geschichte“, sagte der Schwabe, als er den ostdeutschen Medienpreis in Form eines dicken Huhns in den Händen hielt. Die Trophäe, die er für seine Verdienste um Ost und West bekam, widmete Köhler auch seiner Frau Eva Luise, mit der er 39 Jahre verheiratet ist.

Die 14. Goldene Henne wurde vom Mitteldeutschen Rundfunk, der Zeitschrift „Superillu“ und dem Friedrichstadtpalast verliehen und lockte einige Prominenz in das Revuetheater, das dort eine klassische Fernsehshow erlebt, mit Musik, Ballett und gerührten Preisträgern. Olympiasiegerin Britta Steffen, die sich nach Peking im Mexiko-Urlaub erholt hatte, hüllte ihr Schwimmerkreuz in ein langes schwarzes Kleid. „Meine Knie schlottern“, sagte die Sportlerin, der die Zuschauer stehend applaudierten. Dann bedankte sie sich besonders „bei meiner Oma, die ich über alles liebhab“.

Auch Fernsehmoderatorin Inka Bause („Bauer sucht Frau“, RTL) war bewegt. Sie erinnerte an ihren verstorbenen Vater, den DDR- Schlagerkomponisten Arndt Bause: „Danke, Papi - für alles!“ Helene Fischer, Schlagersängerin und Moderatorin der Liveshow, wurde mit dem Preis in der Sparte Musik überrumpelt. „Ihr seid so fies, wirklich...“, sagte die 24-Jährige in Richtung ihres Teams. Udo Jürgens wirkte weniger überrascht, als er für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. „Es ist eine große Ehre für mich“, sagte der 73- jährige Sänger („Aber bitte mit Sahne“), bevor er sich ans Klavier setzte. Später sang Peter Maffay.

Ex-Skispringer Jens Weißflog am roten Teppich, Ex-Boxer Axel Schulz beim Sketch auf der Bühne - Sportler waren bei der Goldenen Henne, deren Sieger teils das Publikum, teils eine Jury kürt, stark vertreten. Von Schulz war vor der Show zu erfahren, dass er auf seine schwarze Baseballmütze schwört: „Ohne Mütze kennt mich, glaube ich, keine Sau.“ Es gab nicht nur ein Ehrenhuhn für Steffen, auch in der Sparte „Aufsteiger“ gewann eine Sportlerin; Lena Schöneborn holte in Peking im Fünfkampf die Goldmedaille. Das Eiskunstlauf-Paar Aljona Savchenko und Robin Szolkowy bekam ebenfalls eine der Trophäen, die an die 1991 verstorbene Berliner Entertainerin Helga „Henne“ Hahnemann erinnern.

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch, ein ungewohnter Gast auf den hauptstädtischen Showbühnen, zeichnete zwei Bürger für ihre Zivilcourage aus, weil sie bei einem Überfall eingeschritten waren. In der Kategorie „Fernsehen Schauspiel“ siegte kein einzelner Star, sondern die MDR/ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“. Laudator Günter Struve spottete mit Blick auf die Serie über den Schmähpreis „Saure Gurke“, den ihm kürzlich die Medienfrauen von ARD, ZDF und ORF für „frauenaffine Stoffe“ und Rollenklischees verliehen hatten. „Lieber 'ne Goldene Henne als 'ne "Saure Gurke"“, sagte der ARD-Programmdirektor.

Köhler zeigte sich amtsbedingt staatstragender. Es sei sei nach der Wiedervereinigung viel erreicht worden, es gebe aber noch viel zu tun, sagte er. Es sei falsch, das Erreichte schlecht zu reden. In Richtung Ostdeutschland versicherte der Bundespräsident: „Ich gucke nicht nur zu den Schokoladenseiten.“

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