Die 22-Jährige ist technikbegeistert und liebt das Landleben, auch wenn der Arbeitstag zur Erntezeit 14 bis 16 Stunden hat. Und das eine ganze Woche lang. Anja Bähr kennt das. Von klein auf. 1988 als jüngstes von zwei Kindern geboren, stiefelte sie mit drei Jahren mitten hinein in das neue Landleben nach der Wende. Vater Frank Bähr setzte als Wiedereinrichter auf eine eigene Rinderzucht und -mast und die nötigen Flächen für den Futter- und Feldfrüchteanbau.

220 Hektar Fläche sind seitdem zu bewirtschaften. Im Stall stehen regelmäßig 100 Mastrinder, die 100 Mutterkühe erholen sich auf der Weide. „Alles robuste Uckermärker“, wie Frank Bähr betont. Seine Frau Carola und Tochter Anja packen vor oder nach der Arbeit mit an. Auch die große Schwester ist mit ihrer Familie dabei, wenn Hilfe nötig ist. So ist das bei den Bährs. Sie halten zusammen – und setzen sich durch.

Anja Bähr hat nach dem Abitur einen Schnupperstudienkurs in Potsdam besucht. Doch „das war mir zu trocken und nur rumsitzen kann ich auch nicht“, erzählt die Reichenbacherin und sagt: „Ich habe mich lieber für die Lehrausbildung zur Landwirtin entschieden und dabei richtig Glück gehabt.“

Die Agrargenossenschaft Vorspreewald eG Turnow habe ihre Bewerbung angenommen. „Die Ausbildung war sehr gut organisiert, sowohl in Turnow, wo ich alle Unterstützung bekommen habe, als auch durch den Landesbauernverband“, sagt die Landwirtin aus Leidenschaft.

Viel Neues habe sie kennen gelernt. „Rinder haben wir hier auf dem Hof, das kenne ich, deshalb wollte ich unbedingt in die Pflanzenproduktion und auf keinen Fall in einen Milchkuhbetrieb. Da stehen Mädels dann drei Jahre lang am Melkstand, dafür war mir meine Zeit zu schade“, sagt sie mit ihrem typischen, strahlenden Lachen. Das spricht für ihre Gewissheit, das Richtige zu tun.

Die Lehre hat Anja Bähr mit dem besten Ergebnis im Landkreis Spree-Neiße abgeschlossen, wie die Landwirtschaftskammer bestätigt.

Die Agrargenossenschaft in Turnow hat sie übernommen und zieht auch mit, wenn sie ab November zum Studium nach Freiberg geht. „Das ist kein Problem, das Studium ist so angelegt, dass ich in der Saison vor Ort bin und arbeiten kann. Im Winter, wenn in der Landwirtschaft eh nicht so viel zu tun ist, bin ich in Freiberg beim Studium“, sagt Anja Bähr.

Ihre Zukunft hat die 22-Jährige fest im Blick: „Ich will hier bleiben.“ Mit dem Studium qualifiziert sie sich zum europaweit anerkannten Staatlich geprüften Landtechniker.

„Das war früher mal der Agraringenieur“, erklärt ihr Vater sichtlich stolz. Ob sie einmal den Hof übernimmt, dass wolle er nicht vorschreiben, sagt er: „Das ist Anjas Entscheidung. Sie wird das Richtige tun.“