Die geplante Broilermastanlage in Glietz (Märkische Heide) bewegt weiter die Gemüter. Obwohl die Signale, dass das Projekt abgelehnt wird, laut der Bauamtsleiterin Annett Lehmann positiv sind, hätte die Fraktion Pro Spree und Wald gern eine weitere Absicherung. Sie wollte von der Gemeinde einen Bebauungsplan (B-Plan) aufstellen lassen.

„Der B-Plan soll die mehr als 60 Bürger in Glietz schützen und ihre Lebensqualität bewahren“, erklärte Thomas Jacob (Pro Spree und Wald) während der jüngsten Gemeinderatssitzung zur Begründung. „Denn wenn die Anlage tatsächlich kommt, kann man dem Ort nur noch den Rücken kehren.“

Ein Investor plant die Umnutzung einer leerstehenden Rindermastanlage zu einer Broilermastanlage mit 160 000 Tieren. Die Mehrheit der Gemeindevertreter sah dennoch keine Notwendigkeit, einen B-Plan aufzustellen. „Wir haben mit dem genehmigten Flächennutzungsplan schon ein Instrument, um die Broilermastanlage zu verhindern“, sagt Jürgen Nowigk. „Ein weiterer Plan wäre doppeltgemoppelt.“

Und er würde die betroffenen Flächeneigentümer einschränken, wie Annett Lehmann erklärt. Sie bestätigte damit Bernd Lehmann. Er befürchtet: „Wenn die Agrargenossenschaft während der Aufstellung des B-Planes bauen will, wäre das nicht möglich.“ Hardy Kutzscher sagt: „Wir müssen erst mit dem Eigentümer reden.“ Ihm ist der Antrag der Fraktion Pro Spree und Wald „zu unkonkret. Zudem sind die Aussagen über die Kosten eines B-Plans zu schwammig.“

Die Bauamtschefin hatte von mindestens 15 000 Euro gesprochen - „wohl eher mehr“. Das Geld sollte die Gemeinde nach Ansicht von Thomas Jacob übrig haben. „Wenn Bürger und Vereine bisher 9000 Euro für Rechtsanwaltskosten aufgebracht haben, um die Broilermastanlage zu verhindern, sollten 15 000 Euro für eine Kommune nicht zu viel sein“, sagt er. Der Bürgermeister Dieter Freihoff (SPD) will dann aber von dessen Fraktion wissen, „woher das Geld kommen und was dafür im Haushalt gestrichen werden soll“.

Christoph Sehmsdorf (Pro Spree und Wald) sieht reichlich Reserven. „Die Gemeinde gibt viel Geld für unnötige Dinge aus, etwa für den Campingplatz in Hohenbrück. Für den Schutz von Menschen aber ist angeblich kein Geld da.“

Die geplante Broilermastanlage wird die Gemüter wohl auch künftig bewegen. Annett Lehmann erwartet, „dass der Investor den Flächennutzungsplan rechtlich prüfen lässt und das Verfahren bis zur letzten Instanz durchkämpft“. Zudem stehe die Entscheidung des Landesumweltamts für die Genehmigung der Anlage noch aus. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass der Antrag des Investors abgelehnt wird“, sagt die Bauamtsleiterin. „Doch mit Sicherheit kann das derzeit niemand sagen.“

Zum Thema:

Zum ThemaSeit einigen Jahren plant ein Investor, eine ehemalige Rinderstallanlage für die Mast von Broilern umzunutzen. 163 000 Tierplätze sollen dort entstehen. Genauso lange besteht der Protest gegen das Vorhaben, das 2007 abgelehnt, dann erneut beantragt wurde. Das Landesumweltamt entscheidet über die Genehmigung.