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| 01:38 Uhr

Gleis 44 bewegt das Logistik-Zentrum Forst

Traktoren in Reih' und Glied. Am Gleisanschluss Gleis 44 rollen die Landtechnik-Riesen vom Zug auf den Trailer. Foto: B. Möschl
Traktoren in Reih' und Glied. Am Gleisanschluss Gleis 44 rollen die Landtechnik-Riesen vom Zug auf den Trailer. Foto: B. Möschl FOTO: B. Möschl
Während die Stadt um den Erhalt von nicht genutzten Jule-Gleisen streitet, stemmen im Gewerbegebiet Süd Unternehmer das, was der Neißestadt neben Rosenschau und Parkverbund Weltruf, vor allem aber weitere Arbeitsplätze einbringen soll: Die Entwicklung zum fünften Logistikzentrum des Landes Brandenburg. Forst. Von Beate Möschl

Sven Noatzke, Geschäftsführer der Lion-Group Forst, plant den nächsten großen Wurf. Neben dem Spezialtransport von Land- und Baumaschinen aus Übersee nach Osteuropa soll der Seehafenhinterlandverkehr zum zweiten Standbein für das international agierende Logistikunternehmen an der Autobahn werden. „Das könnte auch das Gleis 44 zum Gewerbegebiet deutlich besser auslasten“, sagt der Speditionskaufmann, und geht direkt auf das Reizthema zu: „Noch haben wir es hier mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen zu tun. Die DB Netz hat den Betreibervertrag gekündigt. Die Frage ist, wer das Gleis nun übernehmen und bewirtschaften soll.“

Sein Unternehmen und die benachbarte Spedition Over seas direkt hinter der Autobahnbrücke seien derzeit die einzigen, die den direkten Gleisanschluss ins Gewerbegebiet nutzen. Mit steigender Tendenz seitens der Lion-Group, weil die Nachfrage aus der Ukraine wieder deutlich anzieht, wie der 37-Jährige sagt.

Sein Unternehmen transportiert Bau- und Erntemaschinen von Hitachi, Volvo und Caterpillar, Holmer, John Deere, JCB und Claas im Auftrag der Hersteller zu deren Kunden nach Osteuropa, vorrangig in die Ukraine. In Bremerhaven wird die Technik vom Seeweg auf die Schiene nach Forst umgelenkt. „Pro Woche rollt derzeit ein Zug nach Forst. Von hier aus geht es nach der Zollabfertigung, die wir ebenfalls übernehmen, per Tieflader über die Autobahn weiter“, sagt Noatzke.

Ein Zug spare 35 Spezialtransporte per Tieflader auf den Autobahnen und Straßen. Wäre das Gleisnetz und die Felxibilität der Bahn in Polen ausreichend, würde der Forster den Transportweg per Schiene ohne Weiteres verlängern.

Das einzige, was er nicht stemmen will und kann, ist der Erwerb von Gleis 44 und die Sicherung des Gleisbetriebes. „Das ist nicht unsere Aufgabe.“

Die Stadt wiederum, die das Gewerbegebiet mit Gleisanschluss und Direktanbindung an die europäische Verkehrsachse Berlin-Breslau-Krakau-Kiew vermarktet, sieht sich dazu weder in der Lage noch verantwortlich. Ein Logistikzentrum sei eine knallharte Unternehmung, sagt der Forster Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) auf Nachfrage und betont: „Die Stadt betreibt natürlich kein Unternehmen.“

Das Andocken der Stadt an das Logistiknetzwerk Berlin-Brandenburg solle dazu dienen, den Standort bekannt zu machen und Unternehmen herzulocken, die investieren und Arbeitsplätze sichern. „Für uns ist wichtig, dass sich das Land dazu entschlossen hat, Forst als fünften Logistikstandort in Brandenburg zu entwickeln. Das haben wir über lange Jahre angestoßen“, so Goldschmidt. Eine positive Bewegung habe die Entscheidung bereits zur Folge: „Wir haben in Gesprächen mit der Bahn erreicht, dass Gleis 44 vorerst weiter betrieben wird.“

Zum Thema:

Die Logistik steht bundesweit nach der Autoindustrie und dem Handel auf dem dritten Platz der umsatzstärksten Wirtschaftsbereiche. Sie beschäftigt rund 2,7 Millionen Menschen, darunter 85 000 in Brandenburg.