Sonne, Mond und Sterne blinken im Kerzenlicht zwischen dem Tannengrün am Weihnachtsbaum. Als Gegengewicht zur Kerze pendeln die Figuren die Balance aus. Vor 133 Jahren im Erzgebirge erfunden und patentiert, findet der Pendelkerzenhalter heute noch in der Weihnachtszeit viele Käufer. Für Zinngießer Lutz Werner in Stahnsdorf bei Potsdam ist es einer der wenigen Momente, in dem sein Handwerk aus dem Schattendasein tritt. „Unser Handwerk stirbt aus“, so der 69-Jährige. „Das Verständnis der Dinge ist anders geworden.“

Einst Gebrauchsgegenstand, erlebte das Metall seine großen Zeiten als Spielfigur: Mit Heeren von Zinnsoldaten wurden große Schlachten nachgestellt. Später gehörte der Wandteller oder Krug in der Holzschrankwand zur schicken Wohnzimmereinrichtung. Inzwischen jedoch verstauben die Erbstücke meist im Keller, hoffen auf dem Flohmarkt auf Kenner – oder landen gar Silvester beim traditionellen „Bleigießen“ über den Flammen.

„Wir brauchen Zinn nicht“, meint Werner. Dass ausgerechnet er so spricht, ist symptomatisch. Geht der 69-Jährige in Rente, wird seine Werkstatt dichtgemacht. So ist es bei den meisten seines Berufs. Etwa 25 derartige Betriebe gibt es nach Schätzung des Bundesverbandes des Deutschen Zinngießerhandwerks noch in Deutschland.

„Zinn wird als Material oft unterschätzt, weil der Werkstoff insbesondere in den 80er-Jahren einen Boom erlebte und der Markt regelrecht überschwemmt wurde“, meint Sprecherin Gerda Kreiselmeyer. Der Verband versucht, junge Leute für das Handwerk zu gewinnen. Besonders optimistisch ist die Branche nicht.

Erschwert wird das Zinngießen durch die steigenden Rohstoffpreise. In den vergangenen Jahren haben sie sich laut Verband etwa verdreifacht.

Rund sechs Tonnen Zinn hat Zinngießer Werner in den zurückliegenden Jahrzehnten verarbeitet, schätzt er. Für Krüge und Kerzenhalter, vor allem aber künstlerische Gegenstände wie Serviettenringe, kleine Teufelchen als Flaschenverschluss – oder Pendelkerzenhalter.

Die Erfindung aus seiner Heimat gehört zu Werners festem Sortiment und wird ständig um eine neue Figur erweitert. Inzwischen hat der Zinngießer neben Sonne, Mond und Stern Motive wie Schwein, Teddy und Eichhörnchen entworfen.