Im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie soll das Gewässer nun renaturiert werden und ein völlig neues Gesicht bekommen. Betroffen davon sind Eigentümer entlang des Breiten Grabens und die Landwirtschaft - immerhin handelt es sich in dieser Gegend um die fruchtbarsten Böden des Altkreises Finsterwalde. Natürlich spielt der Naturschutz eine wichtige Rolle.

"Wir beschreiten mit der Renaturierung des Breiten Grabens Neuland. Für uns ist es wichtig, dass wir uns bei diesem Prozess mit der Fachöffentlichkeit auseinandersetzen", so der Geschäftsführer des Gewässerverbandes Kleine Elster - Pulsnitz, Hubertus Brückner kürzlich vor den Mitgliedern des Nabu-Regionalverbandes Finsterwalde. Begleitet von der Planungsbeauftragten Anja Passin, stand der Geschäftsführer des Gewässerverbandes Rede und Antwort, denn dieses Projekt ist ein erheblicher Eingriff in Natur und Raum.

Es wurden in den 70er Jahren entlang des Grabens etwa 450 Hybridpappeln angepflanzt, die alle bei der Umsetzung des Projektes gefällt werden müssen. Läuft alles nach Plan und sind die ersten Genehmigungen da, beginnt die Fällung schon Ende Januar. Laut Planungsunterlagen sollen 95 Prozent aller Pappeln weg. Die Naturschützer sehen das als einen nicht unerheblichen Eingriff.

Brückner versuchte, zu beruhigen. Seit zehn Jahren werde an dem Projekt gefeilt. Es gebe eine enge Abstimmung mit den verantwortlichen Naturschutzbehörden und es seien, was Greifvögel und Fledermäuse angeht, schon Gutachten erstellt worden.

"Wir sind uns bewusst, dass wir erheblich in die Natur eingreifen. Doch hier ist Kompromissbereitschaft von allen Seiten gefragt, um das Projekt zu einem Erfolg zu machen", sagte Brückner.

Die Renaturierungsarbeiten sind in drei Bauabschnitte eingeteilt und werden bis 2015 andauern. Die Kosten, nur für die Renaturierung des Breiten Grabens und des Gewässerrandes, nicht für den begleitenden Wirtschaftsweg, trägt komplett das Land. Dabei ist von zwei Millionen Euro die Rede. Während der Arbeiten gibt es eine ökologische Baubegleitung.

"In 15 bis 20 Jahren werden wir wieder einen naturnahen Gehölzbestand und ein naturnahes Gewässer haben", versuchte Anja Passin Optimismus zu verbreiten. "Aufgrund der wüchsigen Böden und der guten Wasserversorgung wird alles etwas schneller wachsen als an anderer Stelle."

Der Breite Graben wird ein völlig neues Gesicht bekommen und eine viel höhere Fließgeschwindigkeit als heute. Geplant sind lang gestreckte Bunen für mehr Turbulenzen, eine Erhöhung der Sohle, eine Abflachung der Böschung und Sukzessionsflächen für Schilf. "Alles natürlich unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes."

Und auch der Gewässerrand soll durch eine hohe Baum- und Gehölzvielfalt ein völlig neues Gesicht bekommen.

"Es wird viele Weichhölzer, wie Weiden, geben, doch auch Eichen, Erlen, Stieleichen, Hartriegel und aue-typische Gehölze. Alles sehr breit gefächert", führte Anja Passin auf Nachfrage aus.

Interessiert folgten die Naturschützer den Ausführungen der beiden Fachleute. Am Ende wurde deutlich, der Nabu-Regionalverband Finsterwalde wird hinter dem Projekt stehen und bei Bedarf mit fachmännischem Rat begleiten. Aber auch ein wachsames Auge haben.