Frauwalde. Nach 150 Jahren erzwungener Verbannung kehrt der Wolf, seit der Wiedervereinigung auch im Osten Deutschlands streng geschützt, wieder zurück. Der Unmut darüber in großen Teilen der Bevölkerung ebbt nicht ab. Brandenburgs Landesbiologe Steffen Butzeck verbucht dies beim Wolfsforum in Frauwalde am Dienstagabend als „schwierigen Gewöhnungsprozess“. Die Menschen hätten nur verlernt, mit dem Wolf zu leben. Das Raubtier gehöre in die hiesige Natur und solle Raum erhalten. Elf Rudel sind für Brandenburg derzeit dokumentiert. Zu erwarten sei der Wolf im Land flächendeckend. Nutztierbestände seien zu schützen – und dies nicht nur vor dem Wolf, sondern auch vor anderen Raubtieren.

Für ein konfliktarmes Miteinander von Wolf und Mensch arbeitet Sachsen nach einem Wolfsmanagementplan, der im Jahr 2009 verabschiedet wurde – mit mäßigem Erfolg. Einige Tage vor dem Wolfsforum der Christdemokraten in Südbrandenburg hat das Potsdamer Umweltministerium angekündigt, die Brandenburger Arbeitsgrundlage aus dem Jahr 1994 im nächsten Jahr überarbeiten zu wollen.

Die meisten Jäger und Tierhalter der Region sind äußerst skeptisch, fühlen sich mit ihren Problemen nicht ernst genommen. Die Vielfalt der Wildtiere solle erhalten und nicht das Hobby einzelner Wolfsliebhaber finanziert werden – so eine Forderung aus der erzürnten Masse. Der Unmut wächst vor allem deshalb, weil der Wolfsbestand offensichtlich ungebremst wächst und das gesunde Gleichgewicht zwischen den Arten durch einseitigen Naturschutz unbeachtet bleibt. Die Jäger erinnern an den Greifvogelschutz, der die Region um die Vielfalt des Niederwildes gebracht hat. Ortrands Amtsdirektor Kersten Sickert sieht „das ökologische Gleichgewicht gestört“ und stellt die Frage, wer dafür die Verantwortung übernimmt. Im Wirtschaftsraum Schraden solle mit einigen 100 000 Euro der Auerhahn wieder angesiedelt werden. Sickert zeigt sich erstaunt darüber, wie viel Geld für den Wolf da sei. Das Raubtier solle dort gelassen werden, wo es nicht gefährlich werden könne – in den Karpaten, in Sibirien, aber nicht in der dicht besiedelten Kulturlandschaft Deutschlands. Die Region habe 150 Jahre ohne den Wolf gelebt, warum soll sie das nicht weiter?

Weder die Argumente der Biologen noch die wenigen Fürsprecher für den Wolf, die im Saal deutlich unterrepräsentiert schienen, haben die Grundstimmung kippen können. Zu viele Fragen der Bürger sind unbeantwortet. Die Diskussion wird härter geführt als je zuvor.

Zum Thema:

ZUM THEMA Nach Angaben der Wolfsbetreuer in Sachsen und Brandenburg ist in der Wolfsregion Polen/Lausitz Platz für 440 Rudel. Für eine intakte Population werde von 1000 Tieren ausgegangen. Wie viele Wölfe in dem dicht besiedelten Gebiet ohne jede Bejagung zugelassen werden sollen, ist offen. Vanessa Ludwig vom Wolfsbüro Rietschen schließt jagdliche Eingriffe „künftig nicht generell“ aus, hat aber keine konkrete Antwort.