Gekicher und Geschnatter erfüllen den großen Probenraum des Würzburger Doms. Auf den Stühlen sitzen etwa 30 Mädchen. Vor ihnen stehen Notenständer mit zerfledderten Gesangsblättern. Domkantor Alexander Rüth hebt langsam die Hände, ruft die Mädchen mit sanfter Stimme zur Ruhe und spielt schließlich auf dem Klavier das nächste Lied an: „Halleluja“ hallt es imposant und dreistimmig durch den Ziegelstein-Kuppelsaal. Die Sängerinnen gehören zum Mädchenchor des Würzburger Kiliansdoms. Eine der ältesten Dom-Mädchenkantoreien Deutschlands hat am Wochenende großes Jubiläum gefeiert. Sie wurde 40 Jahre alt.

Der heute 73 Jahre alte Siegfried Koesler hat den Chor 1971 gegründet. „Die Mädchen drängten danach. Ihre Brüder waren oft Domsingknaben und sie wollten das auch erleben“, erinnert sich der langjährige Domkapellmeister. Es sei an der Zeit gewesen, auch mal die Mädchenstimmen zur Geltung kommen zu lassen.

Kirchenmusik gab es im Bistum von Beginn an. Mit der Gründung der Diözese im 8. Jahrhundert wurde im Dom auch gesungen – damals waren es meist Jungen. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand der gemischte Chor. Der Knabenchor erlebte 1961 seine Renaissance. Zehn Jahre später folgte der Dom-Mädchenchor. Auch die Mädchenkantorei im hessischen Limburg wurde 1971 gegründet.

„Der ganze Bereich der gleichstimmigen Chormusik war früher nicht vertreten. Dieser neue Klang kam mit dem Mädchenchor nun dazu“, sagt Koesler nicht ohne Stolz. Das weiß auch der Präsident des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes, Dachverband für katholische Kirchenmusik, zu schätzen. „Koesler hat hervorragende Pionierarbeit geleistet“, sagt Verbandschef Wolfgang Bretschneider.

Damals seien die Mädchen als Sängerinnen endlich von der katholischen Kirche entdeckt worden. In den vergangenen Jahren sind es immer mehr geworden. Und sie haben einen hervorragenden Ruf.