In diesem Spiel ist der Teufel los. In den besten Häusern passieren mysteriöse Dinge. Geflügelte Schlangen, zombieartige Wesen und mächtige Gestalten mit Tentakeln im Gesicht erscheinen. Ein geheimer Bund beschwört in okkulten Ritualen, Wesen aus einer anderen Welt.

In „Villen des Wahnsinns“ sind die Spieler eine Gruppe von Ermittlern. Werden sie die mysteriösen Ereignisse aufhalten können?

Darum geht’s in Villen des Wahnsinns

„Villen des Wahnsinns“ ist eine Mischung aus „Pen and Paper“ und Brettspiel. In mehreren, teilweise mehrstündigen Missionen versuchen die Spieler eine Geschichte gemeinsam zu entdecken. Sie erkunden neue Räume, reden mit Personen, sammeln Hinweise und kämpfen gegen skurrile Wesen. Doch nicht nur das Missionsziel gilt es zu erreichen. Bei all den mysteriösen Dingen ist es vor allem wichtig nicht wahnsinnig zu werden.

Im Jahr 2016 ist „Villen des Wahnsinns“ in der 2. Edition erschienen. Die große Veränderung – Das Spiel ist seither komplett App gesteuert. Die App ersetzt den sonst benötigten Spielleiter, zeigt den Spielaufbau, erzählt die Geschichte und gibt an wie Monster zu bekämpfen sind.

Durch die starke Integration der App ist „Villen des Wahnsinns“ eines der ersten Spiele, die analoge Elemente mit digitalen erweitern. Ob dieser Mix aber wirklich so gut ist?

So wird Villen des Wahnsinns gespielt

Bevor das Spiel los geht, gilt es einige Vorbereitungen zu treffen. Jeder Spieler sucht sich einen Ermittler aus. Die Wahl sollte gut durchdacht werden. Denn jeder Ermittler hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Während Agatha Crane belesen und klug ist, ist William Yorick der Mann für die groben Dinge. Zu jedem Ermittler gibt es eine eigene Charakterkarte. Auf den Karten stehen die unterschiedlichen Werte der Charaktere, ergänzt mit der Anzahl der körperlichen und mentalen Gesundheit.

Hat jeder Spieler einen Ermittler, kommt auch schon die App zum Einsatz. Ein Spieler gibt die Ermittler in die App ein. Die App gibt anschließend ein Startinventar an Gegenständen aus, die sich die Gruppe beliebig aufteilen kann. Nun wird das Spielfeld aufgebaut. Die App gibt an, welches Spielplanteil ausgelegt wird und welche Marker auf dem Spielfeld verteilt werden. Ist alles fertig aufgebaut? Dann kann das Spiel beginnen.

Villen des Wahnsinns wird in Runden gespielt. Jede Runde besteht aus zwei Phasen. Phase eins ist die Ermittlerphase. Die Ermittler können in beliebiger Reihenfolge ihre 2 Aktionen abhandeln.

Die möglichen Aktionen sind:

Der wichtigste Spielmechanismus in Villen des Wahnsinns sind die Proben. Jeder Ermittler hat auf seinem Charakterbogen eine Liste an Eigenschaften wie „Geschicklichkeit“, „Stärke“, „Wissen“ oder „Einfluss“. Je nach Charakter haben die verschiedenen Eigenschaften Werte zwischen 1 bis 5. Je höher der Wert, desto besser beherrscht der Charakter die jeweilige Eigenschaft.

Bewegen: Eine Figur kann sich pro Aktion um bis zu zwei Felder bewegen

Erkunden: In dieser Aktion interagiert der Spieler mit den, auf dem Spielfeld ausliegenden Markern. Er kann neue Räume erkunden, Gegenstände untersuchen oder mit Personen sprechen. So erlangt das Ermittlerteam neue Hinweise und kommt im Spiel voran. Oft verlangt die App beim Erkunden Proben vom Spieler.

Kämpfen: Ist ein Monster auf dem Spielfeld, kann es von den Spielern angegriffen werden. Je nach Inventar kann ein Ermittler dazu eine Waffe zur Hilfe nehmen oder mit blanken Fäusten kämpfen. Um zu prüfen, ob ein Angriff erfolgreich war, verlangt die App vom Spieler eine Probe.Wenn eine Figur nun etwas machen möchte, verlangt die App oft eine Probe auf eine bestimmte Eigenschaft. Um die Probe abzuhandeln, nimmt der Spieler so viele Würfel wie sein Wert angibt und würfelt sie. Jedes Sternsymbol ist ein Erfolg. Jede Lupe kann durch Ausgeben eines Hinweismarkers zu einem Erfolg gewandelt werden.

Ein Beispiel: Eine Figur, nennen wir sie Luise, möchte eine Dose Essen öffnen. Sie muss dazu in einer Probe mindestens zwei Erfolge beim Wert Geschicklichkeit erwürfeln. Luise hat bei „Geschicklichkeit“ einen Wert von 3. Das heißt sie darf 3 Würfel werfen. Nach dem Wurf zeigen Luises würfel einen Stern, eine Lupe und eine leere Würfelseite an. Luise hat bisher nur einen Erfolg. Sie setzt einen Hinweismarker ein, um die Lupe zu einem weiteren Erfolg zu wandeln und schafft es so die Dose zu öffnen. Guten Appetit.

Wenn alle Ermittler einmal dran waren, startet die Mythosphase. In dieser Phase passiert alles, was mit Monstern und mysteriösen Dingen zu tun hat. Monster kommen auf das Spielfeld, Monster bewegen sich auf Ermittler zu, Monster greifen an. Und weil die ganze Situation in der sich unsere Ermittler befinden so unheimlich ist, muss in Proben geprüft werden, ob auch kein Spieler verrückt wird. In dieser Phase des Spiels passiert selten was gutes.

So tauchen die Spieler in jeder Runde weiter in das Abenteuer ein. An einem bestimmten Punkt der Geschichte erfahren die Spieler das Missionsziel. Von nun an gilt es alles dafür zu tun die Mission zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

Unser Fazit zu Villen des Wahnsinns

Mit seiner riesigen Aufmachung wirkt „Villen des Wahnsinns“ wie ein richtiges Blockbuster-Spiel. Und das ist es auch. In der 30x30x14 Zentimeter großen Spielbox befindet sich einiges an Spielmaterial. Da wären zum einen die 32 Miniaturen für Ermittler, Monster und Bösewichte. Dazu kommen die 24 doppelseitig bedruckten Spielplanteile, um die 140 unterschiedlichen Karten diverser Größen und unzählige Marker für die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Was Spielausstattung angeht, lässt Villen des Wahnsinns keinen Wunsch offen. Und das ist auch gut so. Denn das hochwertige Spielmaterial versetzt die Spieler sehr gut in die passende Stimmung.

Doch nicht nur die Miniaturen und Spielplanteile erschaffen eine unheimliche Atmosphäre. Besonders die sehr gelungene App sorgt für gruseliges Unbehagen. Denn neben verstörenden Texten alá H.P. Lovecraft bietet die App auch passende Hintergrundmusik.

Im Vergleich zur ersten Edition von Villen des Wahnsinns ersetzt die App den Spielleiter komplett. Und das macht sie auch sehr gut. Die Texte passen stets zur Situation und scheinen nicht wahllos generiert zu sein. Die App stellt es den Spielern frei, welchen Weg sie wann gehen wollen. Dadurch ist das Abenteuer nicht linear. So kann es beispielsweise sein, dass die Geschichte beim erneuten Spielen anders verläuft als bei einer vorherigen Partie. Teilweise ändert sich sogar schon die Startaufstellung.

Zudem gibt es in jedem Abenteuer Rätsel, die komplett in der App abgehandelt werden. Dies sind vor allem Zahlen- oder Schieberätsel.

Einen Nachteil an der starken App-Anbindung gibt es jedoch. Mindestens ein Spieler ist das gesamte Spiel über damit beschäftigt die App zu steuern. Für diesen Spieler fühlt sich Villen des Wahnsinns wie ein Appspiel an. Der Blick auf das eigentliche Spielfeld wird selten.

Das Spiel ist sowohl in einer Gruppe, als auch alleine spielbar. So bietet sich das Spiel auch für Personen an, denen eine geeignete Spielgemeinschaft fehlt. Ob nun das Spiel alleine oder mit Freunden gespielt wird – Die Spieler sollten einen großen Tisch mit ausreichend Platz verwenden. Denn auch wenn zu Beginn des Spieles noch nicht viel auf dem Tisch liegt, kommt im weiteren Verlauf einiges dazu. Neben Platz für neue Raumteile sollte auch ausreichend Freiraum unter den Charakterkarten zur Verfügung stehen, um neues Inventar, Hinweise oder Schadenskarten abzulegen.

„Villen des Wahnsinns“ ist jedoch ein Spiel, das nicht auf mehrmaliges Spielen ausgelegt ist. Ein Abenteuer lässt sich vielleicht ein oder zwei Mal spielen. Zwar sind die Geschichten nicht linear und können sich je nach Entscheidungen der Ermittler unterschiedlich entwickeln, der grobe Verlauf der Geschichte ist jedoch bekannt. Bei einem Preis von 70 € stellt sich da die Frage „Lohnt sich die Anschaffung des Spiels?“. Für Fans von unheimlichen Geschichten und Rollenspielanteil, Ja. Die ersten 4 Szenarien sind mit der Grundspielbox spielbar. Allein das ist eine Spielzeit von mindestens 510 Minuten. Wenn man schnell ist! Zudem bietet Asmodee bisher 7-Erweiterungen an. Somit sind aktuell 19 Abenteuer spielbar. Eine Gesamtspielzeit von mindestens 37,5 Stunden! Wann haben Sie das letzte mal so viel Zeit mit einem Brettspiel verbracht?

Das hat uns an „Villen des Wahnsinns" gefallen

Sehr viel, sehr gut gestaltetes Spielmaterial
Sehr atmosphärisch
Sehr gute App
Beigelegtes Referenzhandbuch ist sehr gut zum nachschlagen
Viele Erweiterungen verfügbar

Das könnte noch besser sein:

Das Material der Miniaturen ist nicht so gut
Die Figuren halten nicht auf den Basen. Klebt man sie fest, passen nicht mehr alle in die Verpackung
Der Verpackung fehlt ein Organisationssystem

Gesamtauswertung:

Wie komplex ist das Spiel
8/10 Komplex
Wie verständlich sind die Regeln
9/10 Sehr verständlich erklärt
Wie gut ist das Spielmaterial
7/10 Miniaturen könnten besser sein
Wie Familientauglich ist das Spiel
4/10, ab 14
Wie ist das Preis-Leistung verhältnis?
7/10, ≈ 80€
So gut fanden wir das Spiel
9/10, Sehr gut

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie Brettspiel-Test.