Darum geht’s in Mysterium

In der neu erworbenen Villa von Conrad MacDowell spukt es. Der Geist eines ermordeten Dieners schwirrt umher und kommt nicht zur Ruhe, ehe die Umstände seines mysteriösen Todes geklärt sind. Blöd nur, dass sich der Geist selbst nur dunkel daran erinnern kann, wer sein Mörder sein könnte. Auch der Ort und die Mordwaffe kann der Geist nur vermuten.

Um dem Geist auf die Sprünge zu helfen, ruft MacDowell eine Gruppe Spiritisten zur Hilfe. Gemeinsam mit ihnen versucht er die Botschaften des Geistes zu empfangen und den Fall zu lösen.

So wird Mysterium gespielt

Mysterium ist ein kooperatives Spiel. Das heißt, die Spielgruppe versucht den Fall zusammen zu lösen. Dabei gibt es zwei Rollen, die ein Spieler einnehmen kann. Ein Spieler spielt den Geist, alle anderen Spieler bilden eine Gruppe von Spiritisten.

Das Spiel ist in zwei Phasen unterteilt. In der ersten Phase versucht jeder Spiritist die Visionen, die ihm der Geist gibt, zu deuten. Mit den Hinweisen muss der Spieler eine Person, einen Ort und ein Objekt erraten. Nachdem in der ersten Phase mehrere mögliche Szenarien ermittelt wurden, gilt es in der zweiten Phase gemeinsam das einzig wahre Szenario zu erraten.

Bevor das Spiel jedoch beginnt, muss das Spielfeld aufgebaut werden. Hierfür nehmen die Spiritisten zuerst die Kartenstapel für Personen, Orte und Objekte. Verdeckt suchen sie sich Karten heraus. Wie viele Karten die Gruppe ziehen muss, richtet sich nach Anzahl der Spieler und dem gewünschten Schwierigkeitsgrad.

Hat die Gruppe die benötigte Anzahl an Karten gezogen, wählt der Geist nun die identischen Karten aus seinem Geistkartenstapel. Um langes Suchen zu vermeiden, sind die Karten nummeriert.

Anschließend mischt der Geist die gezogenen Karten und verteilt sie in seinem Sichtschirm. Der Sichtschirm hat für jeden Ermittler eine Spalte in die die Karten gesteckt werden. Der Geist weist somit jedem Spiritisten ein Set bestehend aus einer Person, einem Ort und einem Gegenstand zu. Dieses Set muss der jeweilige Ermittler im Laufe des Spiels erraten.

Die Spiritisten bauen währenddessen ihr eigenes Spielfeld auf. Dazu legen sie die Orte, Personen und Gegenstände für jeden Spieler gut sichtbar aus. Zusätzlich werden der Rundenzähler, die Sanduhr und die Hellsichtplättchen für jeden Spieler bereit gelegt. Nun setzt jeder Spiritist seinen Spielstein auf das Startfeld und schon kann das Spiel beginnen.

Mysterium wird in maximal 8 Runden gespielt. Zu Beginn einer Runde wählt der Geist für jeden Spieler eine Visionskarte aus. Dazu zieht er 7 Handkarten vom Visionskartenstapel. Auf den Karten sind abstrakte, sehr detailreiche Illustrationen zu sehen. Der Geist muss nun entscheiden, welche seiner Visionskarten zu der Karte passt auf die er den Spiritisten hinweisen möchte. Hat der Geist eine Karte gefunden, gibt er sie dem Spiritisten.

Wenn jeder Spieler eine Visionskarte vom Geist erhalten hat, wird die Sanduhr umgedreht. Die Gruppe hat nun zwei Minuten Zeit, um jeden Spielstein zur richtigen Karte zu führen. Wenn die Spieler ihren Spielstein gesetzt haben, können sie anschließend mit ihren Hellsichtplättchen tippen, ob ein Mitspieler richtig oder falsch geraten hat.

Ist die Zeit abgelaufen, erscheint der Geist erneut. Er wertet nun aus, ob die Spiritisten seine Visionen richtig interpretiert haben. Hat ein Spieler richtig geraten, kommt er zum nächsten Abschnitt und kann die erratene Personen-/Orts-/Objektkarte seiner Sammlung hinzufügen. Liegt er jedoch falsch, fällt er zurück und bekommt in der nächsten Runde einen neuen Hinweis.

In der ersten Runde muss jeder Spieler eine Person erraten. Hat er die Person ermittelt, darf er den Ort erraten. Hat der Spieler auch das geschafft, muss er die Mordwaffe ermitteln.

Im Anschluss werden die Hellsicht-Plättchen der Spieler ausgewertet. Hat ein Spieler sein Plättchen richtig gesetzt, geht er einen Schritt auf der Hellsicht-Anzeige weiter. Wie weit ein Spieler auf der Hellsicht-Anzeige kommt, ist für die zweite Spielphase wichtig.

Nach 7 Spielrunden sollte jeder Spiritist seine Person, den Ort und das Objekt erraten haben. Schafft es ein Spieler nicht sein Set zu vervollständigen, endet das Spiel und alle haben verloren.

Nachdem in der ersten Spielphase mögliche Mordszenarien ermittelt wurden, gilt es in der finalen Spielphase zu erraten, was wirklich passiert ist. Der Geist wählt aus den verdeckten Täterplättchen eins aus und entscheidet so, welches Szenario wirklich passiert ist. Nachdem er sich das Plättchen angesehen hat, platziert er es verdeckt auf das Täterfeld der Fortschrittstafel.

Nun wählt der Geist zum letzten Mal aus seinen Handkarten 3 Visionskarten aus, die er den Spiritisten verdeckt als Hinweise überreicht. Eine Vision sollte zur wahren Person, eine zum Ort und eine zum Objekt passen. Jetzt ist es entscheidend, wie weit die Spieler auf der Hellsicht-Anzeige gewandert sind. Denn je weiter ein Spieler gekommen ist, desto mehr Visionskarten darf er sich ansehen.

Alle Spieler bekommen nun die erste Visionskarte aufgedeckt. Gemeinsam dürfen sie sich beraten, welches Szenario laut dieser Karte am besten passt. Spieler, die auf der Hellsicht-Anzeige nicht über das 5. Feld gewandert sind, müssen sich nun für ein Szenario entscheiden. Spiritisten mit mehr Hellsicht-Punkten dürfen sich nun die zweite Vision ansehen und sich entscheiden. Nur Ermittler die über das 7. Feld der Hellsicht-Anzeige gekommen sind, dürfen sich erst nach der letzten Vision für ein Mordszenario entscheiden.

Hat sich jeder Spieler auf ein Szenario festgelegt, dreht der Geist das Täterplättchen um. Ist auf dem Täterplättchen die gleiche Zahl wie auf dem Mordszenario mit den meisten Stimmen der Spiritisten, hat die Spielgruppe gewonnen und der Geist ist frei. Andernfalls hat die Gruppe das Spiel verloren.

Unser Fazit zu Mysterium

Wenn man einer Person Mysterium erklärt, sagt man wahrscheinlich einen Satz wie „Das ist so bisschen wie Cluedo und Dixit in einem“. Und das trifft die Spielmechaniken von Mysterium ziemlich gut. Denn genauso wie bei Cluedo gilt es einen Mörder, einen Ort und eine Waffe zu ermitteln. Die Visionskarten erinnern an Dixit. Das ist auch kein Wunder. Hinter dem Spiel steckt immerhin derselbe, französische Spieleverlag der auch schon Dixit veröffentlicht hat.

Obwohl die Spielmechaniken scheinbar nicht neu sind, bietet der Remix spannende Kniffel. Da wäre zum einen die Rolle des Geistes. Der Spieler der die Rolle des Geistes hat, darf das gesamte Spiel über nicht reden. Lediglich die Visionskarten ermöglichen ihm eine Kommunikation mit den Mitspielern.

Der nächste Kniff sind die Visionskarten. Diese sind so verspielt gestaltet, dass sie oft zu mehreren, ausliegenden Karten passen. Da der Geist jedoch stets nur 7 Visionskarten zur Auswahl hat, ist die Entscheidung für eine Vision noch schwerer.

Und dann wäre da noch die Metaebene, die unwillkürlich bei den Spiritisten mitspielt. Denn oft wird die erhaltene Visionskarte in einem persönlichen Kontext gedeutet.

Mysterium erzeugt das, was nur wenige, und nur wirklich gute Brettspiele hinbekommen. Es schafft ein gemeinsames Erlebnis für die ganze Spielgruppe. Denn nicht nur während des Spiels wird munter gerätselt und über das Geschehene gesprochen. Auch weit nach dem eigentlichem Spiel tauschen sich die Spiritisten und der Geist über die erhaltenen Visionen aus.

Die Regeln von Mysterium sind eigentlich schnell zu verstehen und leicht zu erklären. Wären da nicht die Hellsicht-Plättchen. Denn die Spielmechanik mit der Hellsicht-Anzeige wirkt unnötig kompliziert. Beim Spiel mit zwei und drei Spielern findet diese Regel keine Anwendung. Um den Einstieg ins Spiel zu erleichtern, kann man die Regel auch bei größeren Gruppen außer Acht lassen.

Richtig Spaß macht Mysterium in Gruppen ab 3 Personen. Das Spiel zu zweit funktioniert, jedoch fehlen die Absprachen der Spiritisten.

Mysterium erfreut sich großer Beliebtheit. Neben einigen Preisen wurden dem Spiel auch schon zwei Erweiterungen spendiert.

Mit seinem Thema und dem geringem Gruselfaktor eignet sich Mysterium zu Halloween für Familien mit Kindern und Spielgruppen, die es nicht so unheimlich mögen.

Spielgruppen, die sich gerne gruseln und komplexere Rollenspiele mögen, sollten ein Auge auf „Villen des Wahnsinns“ werfen. Wer seine Mitspieler gerne ärgert und es makaber mag, wird mit „Monster Slaughter“ glücklich. Spielgruppen die gerne Rätseln sollten zu Halloween eines der „Adventure Games“ auftischen.

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie Brettspiel-Test.