Was haben Teenager in den Sommerferien vor allem? Viel Zeit. Ein Großteil dieser Zeit verbrachten früher schon viele Jugendliche mit dem Spielen von Sammelkartenspielen wie Pokemon oder Magic. Neue Karten wurden gekauft oder getauscht und so das eigene Deck erstellt.

Einige Jahre später gehen diese Teenager einem Beruf nach und Zeit, die man früher zu genüge hatte, wird zum kostbaren Gut. Sehnsüchtig wird zurück in die Jugend gedacht, als die Spieler noch Tagelang am eigenem Deck bauen konnten und eine Runde Karten nach der anderen spielten.

Und genau hier setzt das neue Kartenspiel „KeyForge“ an. Denn bei KeyForge wird das Kartendeck nicht selbst gebaut. Die Spieler kaufen ein spielbereites und einzigartiges Deck. Richtig gelesen. Einzigartig! Kein Deck ist wie das andere. Jedes Deck wurde durch einen Algorithmus so zusammengestellt, dass es nur ein Mal auf der Welt existiert. Dennoch sind die Decks weitestgehend gleich stark. Die Spieler können bei KeyForge sofort los spielen.

Darum geht’s in KeyForge

In KeyForge sind die Spieler Archonten die auf einem geheimnisvollem Planeten - dem Schmelztiegel - leben. Archonten sind mächtige Wesen. Sie schaffen es die verschiedensten, auf dem Schmelztiegel lebenden Fraktionen zu vereinen und zu befehligen.

Der Schmelztiegel ist ein künstlicher Planet. Von „Architekten“ gefertigt besteht der Schmelztiegel aus unzähligen Schichten. Um den Planeten weiter zu erforschen wollen die Archonten tiefer in die Schichten eintauchen. Hierzu benötigen sie Schlüssel. Diese Schlüssel müssen jedoch erst aus einem Rohstoff namens Æmber geschmiedet werden.

Mit Hilfe von drei Fraktionen versucht jeder Spieler möglichst schnell Æmber zu generieren und drei Schlüssel zu schmieden. Der Spieler, welcher zuerst drei Schlüssel geschmiedet hat, gewinnt die Partie.

So wird KeyForge gespielt

Jeder Spieler hat sein eigenes KeyForge-Kartendeck bestehend aus drei Fraktionen. Neben den Kartendecks liegen jeweils drei ungeschmiedete Schlüssel. Zwischen den beiden Kontrahenten liegen Æmber- und Schadensmarker sowie die Startusmarker bereit.

Bevor das Spiel beginnt, wird der Startspieler gewählt und die ersten Handkarten gezogen. Der Startspieler zieht 7 Karten, der zweite Spieler 6. Nun kann das Spiel beginnen. Jeder Zug besteht aus 5 Schritten die nacheinander abgehandelt werden.

Schritt 1: Schlüssel schmieden

Immer wenn ein Spieler zu Beginn seines Zuges 6 Æmber besitzt, kann er einen Schlüssel schmieden. Wenn ein Spieler seinen 3. Schlüssel schmiedet, hat er gewonnen und das Spiel endet.

Schritt 2: Fraktion wählen

Jedes KeyForge Deck besteht aus drei von sieben Fraktionen (Brobnar, Dis, Logos, Mars, Sanctum, Schatten und Ungezähmte). In diesem Schritt sagt der aktive Spieler an, welche Fraktion er spielen möchte. Nur Karten die dieser Fraktion angehören dürfen in diesem Zug ausgespielt und verwendet werden.

Schritt 3: Karten ausspielen, nutzen

Im dritten Schritt findet die eigentliche Action statt. Hier werden Karten ausgespielt, Æmber geerntet und Kreaturen des Gegners bekämpft. Aber der Reihe nach.

Karte ausspielen: Bei KeyForge gibt es :

1.) Aktionskarten: Eine einmalige Aktion. Die Aktion wird abgehandelt und die Karte kommt auf den Ablagestapel

2.) Artefakte: Enthalten ebenfalls eine Aktion, die jedoch mehrmals im Spiel aktiviert werden kann.

3.) Kreaturen: Werden zum Kämpfen und Ernten verwendet. Kreaturen kommen gedreht ins Spiel um anzuzeigen, dass sie erschöpft sind und nicht sofort verwendet werden können.

4.) Aufwertungen: Verstärken eine Kreatur an die sie angelegt werden.

Der aktive Spieler darf so viele Karten ausspielen wie er möchte. Auch die Reihenfolge ist frei wählbar. Einzige Bedingung - die Karte muss Teil der in Schritt 2 gewählten Fraktion sein!

Æmber erhalten/ernten:

Es gibt unterschiedliche Wege, wie ein Spieler zum benötigtem Æmber kommen kann. Die drei häufigsten Wege sind:

1.) Æmber als Bonus beim Ausspielen einer Karte erhalten: Manche Karten haben in der oberen, linken Ecke ein Æmber-Symbol. Der Spieler erhält beim Ausspielen der Karte so viel Æmber wie Symbole dargestellt sind.

2.) Æmber stehlen: Einige Karten haben die Fähigkeit Æmber vom Gegner zu stehlen.

3.) Æmber ernten: Jede ausgespielte Kreatur die der aktuell gewählten Fraktion angehört und noch nicht erschöpft ist, kann Æmber ernten. Hierfür muss sie einfach nur gedreht werden um anzuzeigen, dass sie nun erschöpft ist.

Mit Kreaturen kämpfen:

Natürlich wird bei KeyForge nicht nur Æmber geerntet. Die Gegner können ihre Kreaturen auch gegeneinander kämpfen lassen.

So kämpfen die Kreaturen in KeyForge gegeneinander: Jede Kreatur hat einen Stärke- und einen Rüstungswert. Der Stärkewert gibt an, wie viel Schaden eine Kreatur austeilen und einstecken kann. Der Rüstungswert ist ein Bonuswert, der zum Stärkewert addiert wird und die Verteidigung der Kreatur stärkt.

Die Kreaturen in KeyForge kämpfen gleichzeitig. Das heißt sowohl die angreifende, wie auch die verteidigende Kreatur fügen sich gleichzeitig Schaden in höhe des Stärkewerts zu. Wenn der zugefügte Schaden den Gesamtwert von Stärke- plus Rüstungswert übersteigt, ist diese Kreatur besiegt und kommt auf den Ablagestapel. Wenn der Schaden nicht ausreicht um eine Kreatur zu besiegen, wird der Schaden mit Schadensmarkern an der Kreatur vermerkt.

Die angreifende Kreatur wird gedreht um zu zeigen, dass sie nun erschöpft ist.

Schritt 4: Karten spielbereit machen:

Nachdem der dritte Schritt beendet ist, werden im vierten Schritt die erschöpften Karten zurückgedreht und sind somit wieder spielbereit.

Schritt 5: Karten ziehen:

Im letzten Schritt zieht der Spieler von seinem Deck bis auf 6 Handkarten nach.

Zuletzt wird die Anzahl der Æmber-Steine überprüft. Hat der Spieler mehr als 6 Steine, sagt er „Check“ um zu signalisieren, dass er in der nächsten Runde einen Schlüssel schmieden kann.

Nun beginnt der nächste Spieler seinen Zug und handelt die 5 Schritte ab.

Unser Fazit zu KeyForge

Mit dem Spiel „KeyForge“ beweist Richard Garfield, dass er einer der ganz großen Spieleautoren ist. Der Look des Spieles ist Comichaft und unterstreicht den humorigen Charakter des Spieles. Düster und ernst wie Magic ist KeyForge bei Weitem nicht.

Die Regeln von KeyForge lassen sich sehr schnell erklären und der Einstieg ist wirklich einfach. Komplexität bekommt das Spiel durch die unterschiedlichen Kartentexte, Aktionen und Sonderfähigkeiten. Jede Fraktion spielt sich merklich anders.

Magic-Spieler waren es gewohnt sich ein Deck zu erstellen, welches ihre Lieblingsstrategie unterstützt. In KeyForge müssen sie eine Strategie für ihr Deck finden. Das ist eine Spielherausforderung die komplett neu ist und nur durch die Einzigartigkeit jedes einzelnen Decks gewährleistet werden kann.

Da jedes Deck einzigartig ist, und sowohl der Name des Decks, wie auch die Kartenzusammenstellung durch einen Algorithmus erstellt werden, entstehen auch Probleme.

Auch wenn der Algorithmus darauf ausgelegt ist die Decks möglichst gleich stark zu erstellen, klappt das in der Realität nur bedingt. Dieses Problem wurde mit sogenannten „Ketten“ versucht zu lösen. Das ist eine Art Handicap, die Decks bekommen, wenn sie überdurchschnittlich häufig gewinnen.

Ein weiteres Problem sind die Namen. Jeder Deckname wird aus Listen, gefüllt mit tausenden von Wörtern, per Zufall erstellt. Dadurch kommt es zum Teil zu ungewollt komischen Namen.

Eine andere spannende Spielmechanik von KeyForge ist die Möglichkeit alle Karten auf der Hand zu spielen, die der angekündigten Fraktion angehören. So kann es passieren, dass ein Spieler alle seine Handkarten ausspielen kann. Dennoch ist KeyForge kein glücks lastiges Spiel. Es verlangt jedoch von jedem Spieler seine Strategie stets an die Situation im Spiel anzupassen.

Wir haben KeyForge mit dem Startserset für 2 Personen getestet. In diesem Set sind 2 Einsteigerdecks enthalten mit denen das Spiel gut erlernt werden kann. Diese Decks sind in jeder Startbox gleich. Des weiteren sind 2 einzigartige Decks, alle wichtigen Spielmarker und ein Schnelleinsteigerregelheft enthalten. Da das vollständige Regelheft von KeyForge stets erweitert wird, gibt es dieses nur digital. Ein etwas ausführlicheres Regelheft wäre in der Starterbox jedoch wünschenswert gewesen.

Rund um KeyForge passiert aktuell einiges. Im vierten Quartal erscheint die dritte Serie auf dem deutschen Markt. Neben neuen Karten werden auch neue Fraktionen eingeführt und die Geschichte weitererzählt. Es gibt eine App in der Spieler ihre Decks registrieren können. In vielen Städten werden Turniere und Spielgruppen gebildet. Die bereits jetzt starke Community von KeyForge lässt hoffen, dass sich dieses Unique-Card-Game gut etablieren wird.

Für Fans von Magic, die gerne ein paar schnelle Runden spielen wollen ohne sich ein eigenes Deck erstellen zu müssen, ist ein Blick auf KeyForge ein absolutes Muss!

Kurze Fakten zu „KeyForge“

Spieleranzahl 2 Spieler
Altersempfehlung ab 12 Jahren
Spielzeit 45 Minuten
Spielverlag Asmodee
Spielautor Richard Garfield
Genre Taktisches Sammelkartenspiel

Das hat uns an „KeyForge" gefallen

schnell zu erlernen
Unique-Card-Game: Es gibt jedes Deck nur ein Mal
Tolle Illustrationen
Sehr ausführliche Hintergrundgeschichte
Mit einem Deck kann man sofort losspielen.

Das könnte noch besser sein:

Die Decks sind teilweise nicht gut ausgeglichen
Die Namen der Decks sind teilweise sehr merkwürdig

Gesamtauswertung:

Wie komplex ist das Spiel
8/10 Komplex
Wie verständlich sind die Regeln
5/10 enthaltende Regeln zu unausführlich
Wie gut ist das Spielmaterial
8/10 Gut
Wie Familientauglich ist das Spiel
2/10 nur für 2 Spieler
Wie ist das Preis-Leistung verhältnis?
7/10, ≈ 25€ für Starterset
So gut fanden wir das Spiel
9/10, Sehr gut

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie Brettspiel-Test.