Allerdings hatte das Call-Center bereits am Dienstag einzelnen Passagieren laut Brancheninformationen das Stornieren erlaubt, während das Unternehmen sich noch nicht offiziell festgelegt hatte.

Die Hannoveraner TUI als größter Tourismuskonzern Europas folgt der Politik des Lufthansa-Ablegers Germanwings zum kleinen Teil. "Reisen, bei denen die Passagiere mit Germanwings fliegen, können notfalls abgesagt werden", sagt ein Sprecher, "bei anderen Flugreisen machen wir keine Ausnahmen." In der Menge bedeutet dies, dass nur wenige Reisen bei TUI abgesagt werden können, da beispielsweise Ziele am Mittelmeer weit überwiegend mit der eigenen Flotte von 24 Jets abgedeckt werden.

Dabei halten sich die Absagen der Passagiere unmittelbar vor Beginn der Osterferien sehr in Grenzen. "Uns liegen keine Hinweise auf nennenswerte Stornierungen vor" erklärte ein Germanwings-Sprecher gestern. Auch Air Berlin verzeichnet nach eigenen Angaben keine besonders hohe Zahl an Flugabsagen. Allerdings bietet Air Berlin auch keine kostenlosen Stornos an.

Ein Blick auf das Angebot im Internet bestätigt, dass nur wenige Passagiere Tickets zurückgeben: So kostet am Samstag ein Flug nach Palma von Düsseldorf bei Air Berlin mindestens 439 Euro. Bei Germanwings kostet am selben Tag ein Ticket auf der besonders sensiblen Strecke von Düsseldorf nach Barcelona mindestens 199,99. Ein Rückflug würde am letzten Samstag der Schulferien (11. April) mindestens 139,99 Euro kosten. "Würden extrem viele Menschen nun absagen, würde es mehr Billigangebote geben", sagt ein Branchenkenner.
Dabei schafft es Germanwings auch, den Flugplan wieder einzuhalten. Am Dienstag mussten 30 Flüge in ganz Europa abgesagt werden weil Crews sich als "unfit to fly" meldeten, also als dienstunfähig wegen des Schocks,gestern nur einer - ab heute wird der Flugplan wohl wieder ganz eingehalten.

Eine Welle der Solidarität hilft Germanwings. "Trotz auch eigener Betroffenheit haben sich gestern zahlreiche Lufthansa-Kollegen, die eigentlich frei hatten, bereiterklärt, bei Germanwings einzuspringen. Auch Kollegen von anderen Airlines haben ausgeholfen. Die Welle der Solidarität ist groß", sagte der Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo), Nicoley Baublies, unserer Zeitung.

Diejenigen Crew-Mitglieder, die sich aufgrund der Katastrophe nicht zum Einsatz an Bord in der Lage sähen, müssten auch nicht fliegen. Niemand müsse seine Fluguntauglichkeit etwa per Amtsarzt nachweisen. "Da werden keine formalistischen Spielchen betrieben", sagte Baublies.
Der Gewerkschafter lobte das Management für die Abläufe: "Die Krisenbewältigungs-Teams arbeiten rund um die Uhr, sind für die Mitarbeiter und Angehörigen als Ansprechpartner da." Zusätzlich hätten die Flugbegleiter beim sozialen Netzwerk Facebook Gruppen gegründet, um sich auszutauschen. "Das hilft dann auch denjenigen, die gerade in der Welt verstreut sind", so Baublies.