Kaum ein Unterschied des einen derzeit nicht verpachteten Gartens in der Anlage "Turnerwäldchen" zu den bewirtschafteten angrenzenden Parzellen ist an diesem Mittwochvormittag zu erkennen. Nur die Herbstscholle lässt vermuten, dass derzeit niemand Hand anlegt. Ein Pächter ist gegenwärtig in Sicht. Vom Vorstand abgelehntDie Gubenerin Hannelore E., die genau diese Parzelle in diesem Monat für ihre erwachsenen Kinder pachten wollte, wurde vom Vereinsvorstand abgelehnt. Ihr wurde gesagt, dass sie keinen Garten in dieser Sparte bekomme, "weil ich dort schon mal einen hatte und ich sowieso nicht viel im Garten gemacht habe", schreibt Frau E. Doch das sei nur bedingt richtig, denn ihr Mann "war Frührentner und ich noch voll berufstätig und hatte zu Hause auch die Kinder. Mit meinem Mann war vereinbart, dass ich mich daheim kümmere und er sich um den Garten. Aber er ist 2006 verstorben. Zugesicherte Hilfe habe ich damals nicht erhalten. Jetzt sollen meine Kinder dafür büßen", schreibt die Leserin. Mit der Kaution von 150 Euro und dem Jahr Probezeit hätten sie und ihre Kinder kein Problem gehabt, wohl aber mit den vom Verein außerdem geforderten 500 Euro für den Garten. Denn die Vorpächterin habe ihn unentgeltlich an den Verein zurückgegeben. Eine Ratenzahlung sei abgelehnt worden.Günther Lohse, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Gartenfreunde Guben und Umgebung, kennt den Fall und ist stinksauer wegen der vom Verein geforderten 500 Euro. Doch er sagt auch: "Das ist Vereinssache. Da hat der Verband nichts hineinzureden." Der Vorstand des "Turnerwäldchen" ist über diese Haltung froh und bestätigt auch die Aussagen von Hannelore E. Aber er hält auch mit weiteren Gründen für die Ablehnung nicht hinter dem Berg: "Wir hatten Frau E. gebeten, dass ihre Kinder, die ja den Garten pachten wollen, sich bei uns einmal vorstellen, damit wir uns ein Bild machen können. Aber das ist bisher nicht passiert. Wir müssen wissen, ob jemand wirklich Interesse für einen Garten hat", sagt Vereinsvorsitzender Dietmar Noack. AußenständeZehnjährige Erfahrungen in diesem Ehrenamt lassen ihn auch anmerken, dass der Verein noch Hunderte Euro Außenstände von säumigen Zahlern hat. Und er ergänzt, dass Hartz-IV-Empfänger keinen Garten pachten dürfen. Doch das korrigiert die Pressesprecherin der Kreisverwaltung, Jana Weber: "Hartz-IV-Geld-Empfänger dürfen schon Gärten pachten. Doch dieses Hobby wird vom kreislichen Eigenbetrieb Grundsicherung für Arbeitsuchende ebenso wenig finanziert wie andere."Dass ein Kleingarten auch Geld kostet, bestätigt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Reinmar Zarnisch: "Mit Strom, Wasser, Pacht, Sämereien, Pflanzen, Farbe, sonstigem Material und Werkzeug kann man schnell bei 800 Euro landen." Frührentnerin Hannelore E. würde ihren Kindern im Garten helfen, aber jetzt in einer anderen Anlage.