Ein Wanderer geht durch den Spreewald. Ein anderer grüßt ihn: "Na, Herr Krüger? Wieder mal mit einem kniffligen Fall unterwegs?" Schauspieler Christian Redl (64), Darsteller des Kommissars Thorsten Krüger in den ZDF-"Spreewaldkrimis", lächelt ein wenig und staunt denn doch: "Als ich ein erstes Mal hierher in diese Landschaft kam, war sie für mich eine total fremde Welt und ist es eigentlich immer noch. Aber die Menschen hier haben uns inzwischen so integriert, als gehörten wir schon immer dazu."

Der Autor Thomas Kirchner hatte vor rund sieben Jahren die Idee, einmal einen Stoff in dieser nicht eben Krimi-typischen Gegend anzusiedeln. Hier herrscht keine Russen-Mafia, wird nicht mit Heroin gedealt, auch wilde Verfolgungsjagden samt explodierender Autos sind eher selten. Dafür gluckern Moore, geistern Irrlichter durch die Nacht. Und in jeder Ecke scheint eine Geschichte verborgen. Redl: "Man sieht einen Baum und meint schon in seiner Rinde ein Beil stecken zu sehen, von dem noch das Blut tropft."

Ein Fressen für den Kameramann, der in fotogen vernebelten Motiven nur so schwelgen kann, und natürlich auch ein reiches Szenario für den Regisseur: In "Tödliche Legende", dem schon vierten "Spreewaldkrimi", der am heutigen Montag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist, führt Torsten C. Fischer Regie, während Kirchners Buch gleich doppelt in die Spreewald-Vergangenheit zurückführt.

Einmal in die Jahre nach der Wende, als so mancher Mann so manches bis dahin volkseigene Gut mit Treuhand-Hilfe in seinen Besitz brachte, und dann gleich noch mal um Tausend Jahre vorher, als das aus Westslawien eingewanderte, inzwischen auf Kleinstadtgröße geschrumpfte Volk der Sorben einen letzten bedeutenden Herrscher im "Schlangenkönig" hatte, halb Mythos, halb real.

Der scheint nun wieder umzugehen. Schon gibt es zwei Tote, und wohl nicht zufällig sind es die Opfer zwei jener "Wende-Nutznießer". Kommissar Krüger gerät ins Grübeln. Ein eher passiver, fast defensiver Typ, der aber zuhören, beobachten, "den Menschen in Herz und Hirn schauen" (Redl) kann. Dann endlich hat er die Lösung, und die ist in gerade diesem Fall recht überraschend. Redl ist zufrieden: "Ja, unsere Krimis sind ein wenig verschlungener und schwieriger als die sonst gebotene Einheitskost. Man muss da schon ein wenig mitdenken." Wenn zum Beispiel eine Tochter auf der Suche nach dem Vater mit einem Herrn spricht, der doch eigentlich längst tot ist . . .

Für den Schauspieler, der in den 90ern mit dem düsteren Krimi "Der Hammermörder" (1990) berühmt wurde, bringt der spröde, aber sympathische Krüger auch eine gewisse Image-Aufhellung. Daran freut er sich ebenso wie am Zusammenspiel mit einer Reihe exzellenter Kollegen. Rüdiger Vogler gehört dazu, eine mal recht andere, so gar nicht puppig süße Muriel Baumeister und das "TV-Urgestein" (so Redl) Rolf Hoppe.

Und Redl freut immer wieder neu die Drehzeit im Spreewald: "Ich könnte dort nicht leben, das nun nicht. Aber mit seinem ruhigeren Lebensrhythmus ist es ein Ort, wo man sich wunderbar regenerieren kann . . ."

Gerade ist er wieder von dort zurückgekehrt. Von den Aufnahmen zum fünften "Spreewaldkrimi", den Roland Suso Richter inszeniert und der "Phönix" heißen wird.