Doch nur wenige wissen, dass zwischen beiden Dörfern Reste eines geheimnisvollen Burgwalls existieren.

"Feind in Sicht!", ruft ein Beobachter aufgeregt. Die Dörfler packen in Windeseile ihre sieben Sachen auf ihre Handwagen, holen ein paar Tiere aus den Ställen und machen sich auf den Weg in Richtung des Waldes. Nahe der Pulsnitz begeben sie sich in ihr geheimes Versteck, einen uralten Burgwall.

So oder ähnlich könnte es sich zugetragen haben, als 1813 die Wirren der Freiheitskriege auch die Lausitz sowie die angrenzende Mark Meißen erreichten. Die Menschen versuchten, ihr weniges Hab und Gut vor den hungrigen Soldaten in Sicherheit zu bringen.

Vor 200 Jahren

Nach Angaben des Ortrander Stadtarchivars Reinhard Kißro diente der Burgwall zwischen Lindenau und Großkmehlen vor genau 200 Jahren tatsächlich als Zufluchtsstätte der heimischen Bevölkerung. Auch im deutschen Schicksalsjahr wurde jenes Fleckchen Erde aufgesucht, das sich so geschickt in das Dickicht einfügt, dass es fremden Augen zumeist verborgen bleibt. Allerdings, so Kißro, fanden die sowjetischen Soldaten vor 68 Jahren dieses Versteck dennoch.

Heute präsentiert sich das Gelände an der Pulsnitz noch immer geheimnisvoll. Wer von Süden kommt, stößt zunächst auf ein doppeltes Wallgrabensystem. Die Gräben weisen eine Tiefe von rund zwei Metern auf. Glaubt man älteren Einheimischen, sollen die Gräben in früherer Zeit noch erheblich tiefer gewesen sein. Zahlreiche dornige Sträucher behindern ein schnelles Vorankommen. Der eigentliche Burgwall ist mit geschultem Auge als kreisförmige Anlage mitten im Laubwald auszumachen. Längst haben die mächtigen Buchen, Eichen und Eschen vom einstigen Menschenwerk Besitz ergriffen.

Einzig im Schrandenland

Reinhard Kißro sagt, dass es sich dabei um einen frühdeutschen Burgwall handelt, übrigens den Einzigen im Schradenland. Auch über die Grenzen dieser Niederungslandschaft hinaus muss der Heimatfreund lange suchen, ehe er auf den nächsten stößt. Erst östlich des Örtchens Kosilenzien im Sumpfgebiet des sogenannten Ziegrams unweit von Bad Liebenwerda befindet sich eine ähnliche Anlage. Diese ist nach Angaben von Wissenschaftlern allerdings rund 3000 Jahre alt.

Schon in der Steinzeit genutzt

Seit wann genau das Schradenland bereits vom Menschen besiedelt ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Der Wissenschaftler Markus Agthe vermerkt in der Großkmehlener Chronik, dass die Gegend bereits in der Steinzeit, etwa vor 10 000 bis 3500 Jahren, als Siedlungsplatz genutzt wurde. Später wurden die Menschen sesshaft, bestellten das Land und hielten sich Nutzvieh.

Relativ dicht besiedelt war der Schraden während der Bronzezeit, der eine weitgehend menschenleere Epoche folgte. Im Frühmittelalter wanderten die Slawen ein, später deutsche Siedler.

Wann genau der Burgwall zwischen Lindenau und Großkmehlen entstanden ist, verliert sich indes im Dunkel der Geschichte. Ohnehin ist die Quellenlage zu diesem Ensemble mehr als dürftig. Laut Reinhard Kißro soll das Geheimversteck ab 1150 als Fliehburg an der Grenze zwischen der Oberlausitz und der Mark Meißen angelegt worden sein. Möglicherweise habe in dieser auch eine Art Kapelle gestanden. Zumindest weisen Funde von Scherben und Holz darauf hin.

Noch keine Grabungen

Konkrete Grabungen habe es an dieser Stelle bisher keine gegeben. Das Dorf Großkmehlen indes wurde erstmals 1205 urkundlich erwähnt.