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| 01:38 Uhr

Gegen die Unwägbarkeiten des Hausbaus

Gut kalkuliert ist halb gebaut. Viele Verbraucher kennen aber ihre Rechte nicht genau.Foto: VPB/dpa
Gut kalkuliert ist halb gebaut. Viele Verbraucher kennen aber ihre Rechte nicht genau.Foto: VPB/dpa FOTO: VPB/dpa
Viele gehen beim Hausbau bis an den Rand der Verschuldungsgrenze. Treten dann in der Bauphase Probleme auf, kann es eng werden. Seit dem Jahr 2009 ist das Forderungssicherungsgesetz in Kraft, dass dem Bauherrn klare Rechte zugesteht, die ihn gegen Zusatzkosten absichern. Von Luca Schmidt

Generell muss ein Bauherr die in der Praxis üblichen Abschlagszahlungen nur für solche Bauabschnitte leisten, die einwandfrei gebaut wurden. Er erhält für sein Geld also immer einen Gegenwert. Zusatzkosten drohen aber beispielsweise, wenn das Haus nicht zum vereinbarten Termin fertig oder wenn das Unternehmen insolvent ist.Seit dem 1. Januar 2009 können Verbraucher, die ein Haus bauen oder umbauen lassen, vom Bauunternehmer bei der ersten Abschlagszahlung eine Sicherheit in Höhe von fünf Prozent des Gesamtpreises verlangen. Der Unternehmer kann die Sicherheit nach Wahl entweder als Bürgschaft erbringen oder dem Bauherren gestatten, die Summe einzubehalten. Dieser zieht dann von den ersten Abschlagszahlungen etwas ab, bis der Gesamtbetrag der Sicherheit erreicht ist. Sicherheiten können Bauherren gut gebrauchen. Denn eine Zusatzunterkunft für die Familie zum Beispiel kann teuer werden, wenn das Haus nicht rechtzeitig fertig wird.Regelung oft nicht bekannt"Muss man im Insolvenzfall auf andere Bauunternehmer ausweichen, kann sich der ursprünglich geplante Preis um deutlich mehr als 15 Prozent erhöhen", fügt Thomas Penningh hinzu, der Vorsitzende des Verbands Privater Bauherren in Berlin. Auch daher gibt es seit einem Jahr das neue Gesetz.Auf der Baustelle ist die Regelung aber offenbar noch nicht angekommen: "Mein Eindruck ist, dass die Vorschrift dem Verbraucher nicht bekannt ist und deshalb nicht angewandt wird", lautet die Bilanz von Ralf Leinemann, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht und Honorarprofessor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.Dabei ist die Norm gleich in dreierlei Hinsicht von Nutzen: Nicht nur Mehrkosten durch Insolvenz oder etwaige Mietkosten aufgrund einer verzögerten Fertigstellung kann der Bauherr mit der Sicherheit bezahlen. Kosten bleiben bei BauherrnStellt sich vor der Übergabe des Hauses bei der Abnahme heraus, dass das Haus Mängel aufweist, kann der Bauherr die Sicherheitsleistung und die letzte Abschlagszahlung einbehalten. "Und er kann so mit dem nötigen finanziellen Nachdruck auf Mängelbeseitigung hinwirken", sagt Penningh.Erst wenn das Haus fertig ist und vom Bauherrn als mängelfrei und fristgerecht abgenommen wurde, erhält der Bauunternehmer die fehlenden fünf Prozent seiner Vergütung. Es sei allerdings zu befürchten, dass Bauunternehmer die Kosten von Sicherheitsleistungen als Preiserhöhungen an die Bauherren weiterreichen. "Eine Bürgschaft kostet 1,5 bis zwei Prozent Zinsen pro Jahr", sagt Leinemann. "Es wäre naiv anzunehmen, dass das nicht weitergegeben wird." Laut Penningh gilt dasselbe für das Einbehalten von Barem, das beim Unternehmer zum Kapitalausfall führt. Dennoch sollten Bauherren aus seiner Sicht die Sicherheitsleistung in Anspruch nehmen. Er rät zum sogenannten Bareinbehalt: "Wegen des direkten Zugriffs auf das Geld ist der Bareinbehalt aus Verbrauchersicht die bessere Wahl."Gesetz hat LückenEine Sicherheit für die Beseitigung von Mängeln, die erst nach der Abnahme des fertigen Hauses entstehen, wurde mit dem Forderungssicherungsgesetz allerdings nicht eingeführt. Der Bauunternehmer ist innerhalb einer fünfjährigen Gewährleistungsfrist grundsätzlich verpflichtet, auftretende Mängel zu beseitigen. "Hier hat das Gesetz noch verbraucherunfreundliche Lücken", urteilt Penningh dennoch: "Ist der Bauunternehmer inzwischen insolvent, bleibt der Bauherr auf seinem Schaden sitzen. Hätte er eine Gewährleistungssicherheit, könnte er mit deren Hilfe den Schaden beseitigen lassen."Eigene Verträge möglichYewon Seo, Referentin für nachhaltiges Bauen und Wohnen beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin, ergänzt: "Öffentliche und gewerbliche Auftraggeber vereinbaren in der Regel eine zehnprozentige Sicherheit bis zur Abnahme und eine Gewährleistungssicherheit in Höhe von fünf Prozent." Theoretisch könnten auch Verbraucher solche Sicherheiten für ihren Bauvertrag individuell aushandeln - und das ganz ohne Gesetz. Ob sie dafür immer das nötige Know-how und eine mit öffentlichen Auftraggebern oder Geschäftsleuten vergleichbare Verhandlungsstärke mitbringen, sei allerdings fraglich.