Für beide Seiten bedeutet die Pariser Premiere einen Aufbruch: Maison Martin Margiela ist seit dem Rückzug des Markengründers 2009 ohne "Kopf" ausgekommen. Und für Galliano ist es der erste feste Job in der Modewelt seit vier Jahren.

Am 1. März 2011 gab das Haus Dior die endgültige Trennung von seinem langjährigen Chefdesigner bekannt. Galliano hatte zuvor volltrunken mehrere Gäste einer Bar im Pariser Marais-Viertel mit antisemitischen Äußerungen beleidigt und einen Skandal verursacht. Mit der Trennung von Dior verlor Galliano auch seinen Posten als Chefdesigner der von ihm gegründeten und nach ihm benannten Marke John Galliano.

Inzwischen hat der Brite sich offenkundig gewandelt. In einem Interview mit der Zeitschrift Vanity Fair im Juli 2013 beschrieb er seine langjährige Alkohol- und Drogensucht, die zu mentalen Ausfällen geführt hatte. "Ich wäre entweder im Irrenhaus gelandet oder sechs Fuß unter der Erde", sagte er. Nach den Vorfällen in Frankreich hatte er sich einer Entziehungskur unterzogen und war eine Weile abgetaucht.

Der Designer, der am 28. November 1960 in Gibraltar zur Welt kam und auf den Namen Juan Carlos Antonio Galliano getauft wurde, hat mediterrane Wurzeln. Seine aus Spanien stammende Mutter soll ihm (nach dem Umzug der Familie nach London) auf dem Küchentisch Flamenco beigebracht haben. Während seines Studiums an der Londoner Kreativschmiede Central Saint Martins College of Art & Design fiel Galliano in der Szene der 1980er-Jahre mit selbst kreierten Kostümierungen auf.

Zu Beginn der 1990er-Jahre machte der Designer mit seinen poetischen Entwürfen Furore. 1995 wurde er zum Chefdesigner des Hauses Givenchy berufen. Ein Jahr später übernahm er das Zepter bei Dior.