Wie Polizei und Feuerwehr berichteten, war die Löschanlage der Lagerhalle nach einem Feuer in einer Kiste mit Sägespänen angesprungen. Offenbar durch einen technischen Defekt sprühte die Löschanlage große Mengen Kohlendioxid (CO 2 ) in die Halle. Von dort gelangte das Gas aus noch ungeklärten Gründen nach draußen. Anwohner und Feuerwehrleute erlitten durch das Gas Schwindelanfälle. Mindestens sechs Menschen fielen in Ohnmacht, drei von ihnen mussten wiederbelebt werden.
Kohlendioxid ist ein farb- und geruchloses Gas, das den Sauerstoff verdrängt und deshalb in großen Konzentrationen zu Atembeschwerden oder sogar zum Tod führen kann. Wegen der Sauerstoff verdrängenden Wirkung wird es als Löschmittel verwendet. Da die Fabrik in einer Senke liegt und es am Samstagmorgen völlig windstill war, blieb die Gaswolke an der Unfallstelle zunächst stehen. Erst am Mittag konnten die Rettungskräfte die Gasschwaden mit zwei über der Halle kreisenden Hubschraubern verwirbeln.
Polizei, Feuerwehr und Hilfsdienste brachten etwa 150 Menschen aus rund 50 umliegenden Häusern in Sicherheit und sperrten die Unfallstelle im Umkreis von zwei Kilometern ab. Die Anwohner wurden ärztlich untersucht und in Hallen, Zelten und einem Bus untergebracht. Messtrupps gingen von Haus zu Haus und maßen die CO 2 -Konzentration. Am Nachmittag durchlüftete die Feuerwehr die Keller und Untergeschosse der Häuser. Dann wurden sie am frühen Abend wieder freigegeben.
Zur Ursache des Unglücks gab es bis gestern nur Spekulationen. Möglicherweise hätten Öffnungen im Fabrikdach geklemmt, durch die das Löschgas normalerweise kontrolliert nach oben entweiche, hieß es. All dies werde nun von Experten untersucht, sagte Polizeisprecher Jürgen Lützen. Auch die Ursache des Feuers, das die Löschanlage in Betrieb gesetzt hatte, war zunächst unklar. Zum Zeitpunkt des Feuers war niemand in der Halle. Selbstentzündung sei eine Möglichkeit, die geprüft werde, sagte Lützen. (dpa/B.M.)