Wahrscheinlich war der Nachwende-Entdecker der Gartenstadt Marga seiner Zeit zu weit voraus. Jetzt sieht sich der Senftenberger Architekt Wolfgang Joswig in seinen Gedanken bestätigt. Denn in Dresden wollen Enthusiasten Hellerau zu größerer Bedeutung verhelfen. Dabei werfen sie nicht die gesamte Gartenstadt ins Rennen, sondern nur die darin befindlichen 100 Jahre alten Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst. Die sollen eines Tages auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste stehen. Die sächsische Metropole soll nach der Aberkennung des Welterbetitels (wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke mitten im Elbtal) wieder auf der begehrten Liste stehen. „Siehe da, die Hellerauer schlafen nicht“, lautete der erste Kommentar des Senftenbergers Wolfgang Joswig, nachdem er am Mittwoch von dem Dresdner Ansinnen in der RUNDSCHAU gelesen hatte. Er hätte es gern gesehen, wenn die Freunde von Marga und Hellerau genauso gemeinsam an einem Strang gezogen hätten, wie es für die Parks in Muskau und Branitz der Fall ist. „Doch ohne kommunalen Willen geht das nicht“, bedauert er die andauernde Zurückhaltung in Senftenberg.

Die Verwaltung hatte sich schon im Mai 2008, als Joswig das Thema erneut in die Öffentlichkeit gehoben hatte, distanziert geäußert. Recherchen hatten damals ergeben, dass das Land aufgrund der großen Konkurrenz in Mitteleuropa wenig Chancen sieht und deshalb mit einer Unterstützung nicht zu rechnen sei.

Die Stadt Senftenberg wiederum sah große Defizite in der ersten deutschen Gartenstadt selbst. Dazu gehörte das wenig lebendige Ortszentrum. Doch gerade hierbei hat sich in der Zwischenzeit mit der privaten Grundschule einiges getan.

Auch Wolfgang Joswig hatte seinerzeit Defizite festgestellt. Hierzu zählte und zählt er in der Marga-Sichtachse die störenden Briesker Windräder und einige notwendige Reparaturen.

Die Senftenberger Verwaltung hatte einst geäußert, sich erst einmal auf die nicht gerade billige Innenstadtsanierung konzentrieren zu wollen. Sie verliere Marga und den Weltkulturerbe-Antrag aber nicht aus den Augen. „Daran hat sich bis heute nichts geändert“, sagt Hauptamtsleiter Stephan Weinhold. „Die Hürden sind noch zu hoch.“ Wie schwierig es sei, Marga öffentlichkeitswirksamer zu positionieren, zeige allein das Problem, ein typisches braunes Hinweisschild an der Autobahn zu platzieren.

Der Stadtplaner Wolfgang Joswig hat die Hoffnung zwar noch nicht aufgegeben, sieht aber die Chancen, der Gartenstadt Marga die höhere Weihe zu geben, nicht größer werden: „Jeder fachliche Wunsch versandet, wenn kein Politiker dahinter steht.“

Ganz anders sei es bei der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land gewesen.

Joswig glaubt nicht, dass der Weltkulturerbe-Impuls von Hellerau bis nach Marga reicht. Da müssen die Lausitzer schon selbst aktiv werden. „Schade, dass damals keiner den Hut aufgenommen hat, den ich in den Ring geworfen habe“, bedauert der Architekt des Desinteresse vor allem in der Politik.