| 01:39 Uhr

Für mehr Menschenrechte

Cottbus. Sylvia Wähling hat viel vor. Sie ist seit Oktober vergangenen Jahres geschäftsführende Vorsitzende des Vereins Menschenrechtszentrum in Cottbus. Bis Ende des Jahres soll auf dem Gelände des ehemaligen Stasi-Gefängnisses das Haupthaus saniert werden. Eine geplante Gedenkstätte nimmt immer konkretere Formen an. Dieser Aufgabe und dem Verein widmet sich die engagierte Frau mit viel Leidenschaft. Von Manuel Holscher

Lange hat Sylvia Wähling mit ihren Vereinskollegen der Entscheidung für mögliche Fördergelder entgegen gefiebert. Auf dem Gelände des ehemaligen Stasi-Gefängnis soll eine Gedenkstätte entstehen. Die Planungen können die Verantwortlichen seit einigen Wochen intensivieren, da die Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro genehmigt wurde. Das Geld kommt jeweils zur Hälfte vom Land Brandenburg und vom Bund. Rund 300 000 Euro bringt der Verein aus Eigenmitteln auf. Das Areal wurde mittlerweile gekauft.

Sylvia Wähling hat sich diesem Projekt und der Arbeit für den Vereins voll verschrieben – und das ehrenamtlich. „Ich wohne in Meißen, bin aber eigentlich jeden Tag in Cottbus vor Ort. Es gibt viel zu tun“, sagt die engagierte Frau.

Mit neun fest angestellten Mitarbeitern und zwei Teilzeitkräften kümmert sie sich um die Aufgaben des Vereins. Dass sie für ihr Engagement kein Geld verlangt, ist für die 49-Jährige selbstverständlich. „Bei dieser Aufgabe kann ich vielen einzelnen Menschen helfen. Es geht um die Aufarbeitung der DDR und ein Gefängnis, in dem während dieser Zeit fast ausschließlich politische Gefangene saßen.“

Sylvia Wähling wurde in Athen geboren und kam im Alter von 18 Jahren nach Bonn. Dort studierte sie politische Wissenschaften und Völkerrecht im Nebenfach. Nach dem Studium arbeitete sie ab 1988 für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), die ihren deutschen Sitz in Frankfurt am Main hat. „Diese Tätigkeit hat mein Leben komplett verändert“, betont sie und erhebt ihre Stimme. Während dieser Zeit hat Sylvia Wähling gemerkt, dass ein Mensch nicht die ganze Welt verändern, vielen einzelnen Menschen aber geholfen werden kann.

Während der Wendezeit wurde sie von der IGFM nach Leipzig geschickt. Über persönliche Kontakte kam sie schließlich nach Meißen. 1992 nahm sie eine Tätigkeit bei der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung an, blieb zudem aber mit dem IGFM verbunden. Jahrelang beschäftigte sich Sylvia Wähling in der Folge mit der DDR-Aufarbeitung und unternahm viele Reisen in Ostdeutschland.

Im vergangenen Jahr sprach sie mit einigen aktiven IGFM-Mitgliedern aus Cottbus über das ehemalige Stasi-Gefängnis. Ein Gesprächspartner war auch Siegmar Faust, den sie bereits seit 1988 kennt und der von 1996 bis 1999 Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in Sachsen war. Da er in den 1970er-Jahren in Cottbus inhaftiert war und Mitglied im Verein Menschenrechtszentrum ist, war das Interesse bei ihr groß.

Die Verbindungen zum Verein wurden immer intensiver. Seit Oktober vergangenen Jahres ist Sylvia Wähling schließlich geschäftsführende Vorsitzende des Vereins. Sie ist noch bei der Landeszentrale angestellt und für drei Jahre beurlaubt. Sie betont aber schon jetzt: „Ich würde aber danach auch gerne in Cottbus weitermachen.“

Die Aufgaben sind schon jetzt sehr ausfüllend. Neben der Arbeit für die Errichtung der Gedenkstätte spricht sie auch oft mit ehemaligen Häftlingen. Zeit darf dann keine Rolle spielen. „Das geht auch manchmal bis weit nach Mitternacht.“ Schritt für Schritt wird der Verein auch durch ihr Engagement bekannter. Rund 100 Mitglieder sind momentan dabei, interessierte und engagierte Menschen melden sich immer wieder.

Dass sie sich Zeit für die Mitglieder nimmt, ist Sylvia Wähling besonders wichtig. Diese Menschen haben viel erlebt und erzählen natürlich von ihrem schweren Schicksal. Zum Thema Menschenrechte finden zudem häufig vom Verein veranstaltete oder unterstützte Vorträge und Veranstaltungen sowie Ausstellungen statt.

Bei ihrem Mann und Sohn genießt die gebürtige Griechin volle Rückendeckung, auch wenn sie viel unterwegs ist. Beide freuen sich, dass die intensive Arbeit Früchte trägt. „Mein Mann ist Rechtsanwalt und berät mich bei manchen baurechtlichen Fragen. Außerdem ist er politisch sehr engagiert und weiß, wie wichtig der Einsatz für diese Gedenkstätte und den Verein ist.“