Am 12. Februar wurde der erste tote Seeadler an der Eisenbahnstrecke zwischen Falkenberg und Bad Liebenwerda entdeckt. Danach folgten weitere Funde: Am 3. März einer an der Strecke Berlin-Dresden in Höhe des Lugkteiches bei Brenitz, am 5. März zwei Seeadler und ein Mäusebussard an der Strecke zwischen Fermerswalde und Annaburg, und der fünfte Seeadler wurde am 23. März abermals am Streckenabschnitt Fermerswalde-Annaburg aufgefunden. Hinzu kommt ein Vorfall auf dem Bahnhof Falkenberg, wo bereits am 12. Januar innerhalb weniger Stunden mindestens sieben Mäusebussarde überfahren wurden. Bei drei dieser Vorfälle lagen überfahrene tote Wildschweine in den Gleisen. Wegen des strengen Winters litten die Greifvögel Not, und als Aasfresser üben Tierkadaver eine magische Anziehungskraft aus. Weil Bussarde und Seeadler beim Herannahen einer Gefahr beim Auffliegen sehr schwer fällig sind und mehrere Sekunden zum Davonfliegen benötigen, sind sie auf Bahngleisen besonders gefährdet.Seeadler sind in den Roten Listen Deutschlands in der Kategorie 3 "Gefährdet" eingestuft, und sie gehören deshalb zu den besonders geschützten Vogelarten. Im Land Brandenburg gibt es gegenwärtig rund 130 Seeadler-Brutplätze, die alljährlich durch ehrenamtliche Horstbetreuer gesichert werden. Wenn allein im Elbe-Elster Kreis in diesem Winter fünf Seeadler durch die Eisenbahn den Tod fanden - und es ist davon auszugehen, dass es weitere Fälle gab, die unentdeckt blieben - dann wird deutlich, wie ungünstig sich das auf die Populationsentwicklung dieser Art auswirken muss. Der Falkenberger Naturschutzverein "Elsteraue" hat sich deshalb schriftlich an die Deutsche Bahn AG mit der Bitte gewandt, Maßnahmen zu ergreifen, um solche Vorkommnisse möglichst auszuschließen oder wenigstens zu minimieren. Dieter Lehmann