"Der in Deutschland übliche Unterrichtsbeginn um etwa acht Uhr ist für Jugendliche ab einem gewissen Alter zu früh, um Leistung zu erbringen", sagt der Schlafforscher Jürgen Zulley. Am Berliner John-Lennon-Gymnasium wird derzeit über einen späteren Start in den Schulalltag diskutiert.Würde der Unterricht nur eine Stunde später beginnen, könnte es in den Schulen seiner Ansicht nach erheblich aufmerksamer und konzen-trierter zugehen. "Gegen acht Uhr sind Jugendliche in etwa so leistungsfähig wie um Mitternacht", sagt Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zen-trums der Universität Regensburg und Präsident der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf.Verantwortlich dafür sei der biologische Rhythmus, der sich ungefähr mit dem zwölften Lebensjahr verändere. "Studien aus den USA, Finnland und Israel haben gezeigt, dass der biologische Rhythmus sich in diesem Alter nach hinten verschiebt. Die Jugendlichen werden zu Abendtypen, die später ins Bett gehen und dafür länger schlafen. In der Wissenschaft werden diese Typen auch Eulen genannt", erklärt der Wissenschaftler. "Jugendliche handeln also gegen ihren natürlichen Biorhythmus, wenn sie zu früh aufstehen."Am Nachmittag hätten Schüler ein zweites Leistungshoch. Das könnte sogar noch gesteigert werden, wenn die Schulen ihren Schülern Ruhepausen ermöglichten. "Jugendliche sind etwas müder als jüngere und ältere Menschen, besonders zur Mittagszeit. Das hängt wahrscheinlich mit der Pubertät zusammen", erklärt Zulley. "Ein kurzer Mittagsschlaf zwischen zehn und 30 Minuten erhöht da die Leistungsfähigkeit erheblich."