Am Ende haben alle gewonnen. Die Studenten mit ihren ehrgeizigen Projekten, ihre Lehrkräfte mit Erkundungen in bis dato weitestgehend unbekannten Gefilden und insbesondere die Einwohner der vier untersuchten Orte. Denn wann verirren sich schon mal Scharen von jungen Leuten, die in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Slowenien Regionalplanung und ähnliche Fachrichtungen studieren, nach Kromlau, Jänschwalde, Groß Jamno oder Pusack?

Und die angehenden Akademiker kamen nicht mit leeren Händen in die teils winzigen Dörfer. Mit ihrem Blick "von außen" und aus den zahlreichen Gesprächen mit Alteingesessenen entwickelten sie innerhalb von zwei Wochen Konzepte, wie die Lebensqualität in diesen Orten, die nicht gerade für ihr pulsierendes Leben bekannt sind, erhöht werden kann. Das geht natürlich nur mit den Einwohnern. Deshalb wurden diese von Beginn an in die Arbeit eingebunden. Warum reden viele Leute in den Dörfern kaum noch miteinander? Welche Wünsche haben die Menschen? Wie lassen sich diese Träume möglichst effizient umsetzen? Auf diese Fragen versuchten die Studenten, Antworten zu finden.

Und das mit Erfolg. In ausnahmslos jedem der vier Orte stießen sie auf interessierte Köpfe und tatkräftige Hände, die bereit sind, anzupacken. Beispielsweise der Groß Jamnoer Ortsvorsteher Roland Hornick: "Klar können die jungen Leute, die Beschlüsse, die zu unserem Ort gefasst worden sind, nicht ändern. Aber ich glaube, dass wir bislang viel zu materialistisch gedacht haben. Wir sollten viel mehr Wert auf eine intakte Dorfgemeinschaft legen", erklärte der Kommunalpolitiker während der Abschlusspräsentation in Großräschen.

Die Studenten zeigten sich insbesondere vom Jamnoer Urwald beeindruckt, der durchaus über ein touristisches Potenzial verfüge. Allerdings müsse mit dem Ortskern etwas geschehen. Die Dorfaue wirke ziemlich verloren. In Jänschwalde dagegen stand die bisherige Trennung zwischen dem eigentlichen Dorf, das durchweg sorbisch geprägt ist, und der früheren Armeesiedlung Ost im Mittelpunkt des Interesses. Die Studenten empfahlen, einen regelmäßigen Kommunikationsaustausch zwischen beiden Ortsteilen ins Leben zu rufen. Nicht zuletzt würde die Wiederherstellung des einstigen Dorfgrabens, der Puschanitza, bei den Einheimischen auf Zuspruch stoßen.

In den drei Neißedörfern Pusack, Zelz und Bahren drehte sich alles um die Brücke nach Polen. Vorgeschlagen wurde, das Brückenfest um einen Handwerkermarkt und um ein Brückenforum zu erweitern. Etwas utopisch mutete das Projekt, in der Flussmitte eine Polnisch-Deutsche Schule auf einem Ponton zu etablieren, an. Der Döberner Amtsdirektor Günter Quander erklärte, dass zumindest bereits in der Döberner Schule Polnisch gelehrt werde. Und für die Ponton-Idee wolle er eventuelle Fördermöglichkeiten prüfen lassen, merkte der Amtsdirektor schmunzelnd an.

Karsten Feucht, einer der vielen Organisatoren der "Sommeruniversität Lausitzer Dörfer", glaubt, dass die Studenten den Dörfern eine "Frischzellenkur" verpasst hätten. Für Professor Rolf Kuhn, den früheren Chef der Internationalen Bauausstellung "Fürst-Pückler-Land", haben es die jungen Leute geschafft, eine Verbindung des Blicks "von außen" und der Sichtweise der Einwohner, also "von innen", herzustellen. "Das ist die eigentliche Leistung", lobte Kuhn.

Jeder der vier Orte soll ein ausführliches Konzept erhalten. Und die Studenten bleiben am Ball. "Mal sehen, was von unseren Ideen tatsächlich umgesetzt wird", sagte einer aus der Menge. Bereits im Frühjahr 2014 soll eine entsprechende Wanderausstellung auf die Reise gehen. Und zu guter Letzt kündigte Thomas Becker vom Bundessozialministerium an zu prüfen, wie manche Projektansätze der Studenten im Jahr 2014 finanziell unterstützt werden könnten.