„Bin ich aber froh, dass Ihr wieder da seid“, ein solcher Satz aus dem Munde des vierjährigen Gabriel ist der schönste Willkommensgruß, den sich Klaus Richter vorstellen kann, wenn er – wie am Mittwoch – mit Ehefrau Annelies aus dem Urlaub in der Türkei nach Hause kommt. „Wir sind Türkei- und Aida-Fans“, sagt der ehemalige Landrat des Elbe-Elster-Kreises. Und obwohl das Hotel in der östlich von Antalya gelegenen Urlaubsregion über die Feiertage ausgebucht ist, für das Ehepaar Richter ist unumstößlich: Weihnachten wird mit der Familie in Kraupa verlebt. Die zwei Söhne und die Tochter kommen mit ihren Familien. Vier Enkeljungs sind nunmehr durch die erste Enkeltochter – Johanna – komplettiert worden. Der Baum, der im eigenen, 3000 Quadratmeter großen Garten gewachsen ist, wird diesmal in Rosa geschmückt. Die Kugeln sind Mitbringsel aus dem Bayerischen Wald, wohin es Richters seit 20 Jahre in den Urlaub zieht.

Klaus Richter, am 6. Februar 2010 nach acht Jahren als Landrat in den Ruhestand verabschiedet, hat den neuen Lebensrhythmus aufgenommen. Was nichts mit Müßiggang zu tun hat. Zweimal in der Woche geht's zur Physiotherapie mit Gerätetraining. Sogar im Urlaub standen jeden Tag zehn Kilometer Radfahren auf dem Hometrainer auf dem Plan. Jeden Dienstag wird mit der Elsterwerdaer Kantorei geprobt. Da ist auch Sohn Tino mit von der Partie. Und seit dem Herbst ist Klaus Richter, der seit 1990 Mitglied der SPD ist, wieder aktiv in die Kommunalpolitik zurückgekehrt. Er arbeitet als sachkundiger Bürger im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung Elsterwerda mit. „Es gibt nicht so viele, die über eine kommunalpolitische Erfahrung verfügen wie ich. Das möchte ich nicht verplempern. Außerdem möchte ich unseren sehr agilen Ortsvorsitzenden unterstützen“, sagt Klaus Richter. Dass bei dem auf 67 Jahre angehobenen Renteneintrittsalter ein Landrat mit 62 Jahren nicht mehr antreten dürfe, halte er für einen Widerspruch. Und so möchte er, mit jetzt 64 Jahren, noch viel von seinen Erfahrungen weitergeben.

Schlag mit dem Knüppel

Eigentlich hatte sich Klaus Richter vorgenommen, im Rückblick auf seine Arbeit als Verwaltungschef nicht auf seine zwei noch immer nicht verheilten Wunden zu sprechen zu kommen. Aber die Ehrlichkeit gebietet es. Der seinerzeit im Frühjahr 2009 mit allen Fraktionsvorsitzenden des Kreistages abgesprochene Vorstoß, über eine gemeinsame Zukunft mit dem Klinikum Niederlausitz nachzudenken, endete für Klaus Richter bei der dritten Betriebsversammlung in Herzberg auf der Intensivstation. Den Beschäftigten schon bei der ersten Versammlung in Finsterwalde als derjenige vorgestellt zu werden, der ihre Arbeitsplätze vernichten wolle, sei für ihn wie ein Schlag mit einem Knüppel gewesen. Genau das Gegenteil habe zu den damaligen Überlegungen geführt.

Die zweite Wunde: die Vorgänge um die Abberufung seines früheren Ersten Beigeordneten Joachim Pfützner. „Initiatoren waren andere. Ich war ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr Herr des Verfahrens, aber derjenige, dem der Schwarze Peter zugeschoben wurde. Das gehört zu den Dingen, die mich bis heute belasten.“

Selbstlob liegt ihm nicht

Da gerät Positives in der Erinnerung leicht ins Hintertreffen. Er gehöre nicht zu denen, so Klaus Richter, die sich gern selbst loben. Erfolgreicher Kampf gegen das Elbe-Hochwasser 2002 in Mühlberg, kulturelle Markenzeichen, die über die Region hinaus wirken, Investitionen in Feuerwehren und Brandschutz. – Ach, er möchte es nicht aufzählen, was da in acht Jahren als Landrat und den acht Jahren zuvor als stellvertretender Landrat zusammenkommt. Mit dem Blick auf heutige Spitzenpolitiker im Landkreis habe er den Eindruck, dass es ihnen mehr um sich selbst als um die Sorgen und Nöte der Menschen gehe. Die Diskussion um 20 000 Euro Einnahmen für den Kreishaushalt durch die Anrechnung des Schüler-Bafög als Einkommen und die Erhöhung der Gebühren für die Nutzung von Sportstätten ärgern ihn. Bei fünf Prozent freiwilligen Leistungen am Gesamthaushalt habe auch die Kommunalaufsicht nichts einzuwenden, so Richter. Er plädiert vehement dafür, Sachpolitik vor Parteipolitik zu stellen. „Es trifft sonst die Falschen.“ Sich um die Menschen in seinem Heimatort zu kümmern, liegt Klaus Richter am Herzen. Dass er sich bei den Kommunalwahlen 2014 zur Verfügung stellt, ist da nur folgerichtig.

Zum Thema:

Drei Fragen, Drei AntwortenWer ist für Klaus Richter der beste Kanzlerkandidat der SPD? Peer Steinbrück.Was kommt Heiligabend bei Richters auf den Tisch? Traditionell Kartoffelsalat und Wiener, nach der Christmette Feuerzangenbowle und am ersten Feiertag Flugente.Wie steht's um die Urlaubspläne 2012? Schon jetzt klar: Mit der Aida nach Südamerika.