Und er antwortet mit der Provokation: „Verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen!“ Das geht ans Eingemachte für den Mann. So persönlich wollte er es nicht. Er wendet sich enttäuscht ab.

Er kann nicht erkennen, dass solch eine Transaktion für ihn tatsächlich ein Gewinn sein könnte. Aber genau darum geht es. Er sollte die Freiheit gewinnen – Freiheit zu einem selbstbestimmten und unabhängigen Handeln.

In der Bibel wird sehr klar gesehen, dass Reichtum, beziehungsweise eine hauptsächlich materialistische Ausrichtung des Lebens einen Menschen fatal fesseln kann. Aber ein solches gefesseltes, auf ein Thema fixiertes Leben ist nicht das, was Gott sich für den Menschen gedacht hat.

Was könnte der Mann eigentlich durch einen solchen Totalverkauf gewinnen? Er könnte die innere Freiheit gewinnen, seinen materiellen Wohlstand für die Armen dieser Welt einzusetzen, oder Schwachen damit unter die Arme zu greifen. Das ist ein Mitteleinsatz im Sinne Gottes. Darauf weist Jesus Christus ihn hin.

Natürlich meint er damit noch mehr: Er könnte frei werden, sich im Rahmen dieser Reichtums-Verteil-Aktion Gott ungeteilt zuzuwenden. Denn – so die hintergründige Botschaft dieser ganzen Geschichte - nur Gott macht das Leben wirklich reich und zufrieden und erfüllt.

Ich glaube, diese Provokation ist eine gute Botschaft für alle Menschen– egal, wie groß oder klein ihr jeweiliger Reichtum tatsächlich ist.

Hinrich Müller, Pfarrer der Kreuzkirchengemeinde Cottbus