Darauf verweisen die Gewerkschaften ver.di und NGG in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Ganz anders verhalte es sich bei den Teilzeit- und Mini-Jobs: Hier beträgt der Frauenanteil 75 Prozent. "Frauen machen immerhin rund 3240 Mini-Jobs im Landkreis Elbe-Elster. Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten: Zwei von drei der Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter", sagt Heike Plechte von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Die Geschäftsführerin des ver.di-Bezirks Cottbus spricht von einer "Niedriglohn-Schicht", die vom "fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt" mehr und mehr abgekoppelt werde. "Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt", so Plechte.

Gemeinsam mit ver.di übt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) heftige Kritik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Elbe-Elster: "Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut. Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt", sagt Gewerkschaftssekretär Sebastian Riesner. Der Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg belegt dies mit Zahlen vom Pestel-Institut aus Hannover, das ver.di und NGG damit beauftragt haben, die regionale Arbeitsmarktsituation zu beurteilen. Demnach hat die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent zugenommen. "Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner - mies bezahlt mit wenig Schutz", so Riesner. Der Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg beklagt eine "völlig verlotterte Moral im Umgang mit dem Wert von Arbeit". "Wer für einen Dumpinglohn schuftet, der fühlt sich von der Gesellschaft mit Füßen getreten. Und das völlig zu Recht", sagt Heike Plechte. Die Bundesregierung habe hier "auf ganzer Linie versagt". Seit Jahren stemme sie sich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn.