Das nach seinen Nachforschungen entstandene Buch hat Guillet in der vergangenen Woche Angelika Stamm von der Initiativgruppe Lager Mühlberg übergeben.

Sein Buch trägt den Titel „Il s'appelait Joseph“ („Er hieß Joseph“). Guillet war es wichtig, sich auch persönlich in Mühlberg zu bedanken. Die Initiativgruppe habe ihr Archiv für seine Recherchen komplikationslos geöffnet. Insbesondere die Mitarbeiterin im Mühlberger Büro sei sehr kooperativ gewesen und habe ihn sehr bei seiner Arbeit unterstützt, sagte er. „Es ist sehr wichtig, dass diese Organisation existiert“, würdigte Laurent Guillet die Arbeit des Vereins. Nie solle die Geschichte des Lagers in Vergessenheit geraten.

Sein Buch basiert auf einer 22-monatigen Arbeit mit aufwendigen Recherchen in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Tschechien. Guillet beschreibt darin den Leidensweg seines Großonkels. Er wurde am 17. September 1905 in der Bretagne, in Limerzel, geboren. Im Juni 1940 geriet er in Kriegsgefangenschaft. Bereits einige Wochen später wurde er nach Mühlberg in das Kriegsgefangenenlager Stalag IV B gebracht. 1941 wird er wieder versetzt: Hartmannsdorf/Mittweida, bekannt als Lager IV F. Im Laufe des Krieges wird er „Zivilarbeiter“ – ob freiwillig oder gezwungen, ist unbekannt – und nach Irfersgrün geschickt. Bis November arbeitete er in der Miene von Peschtelsgrün. Dort wurde er gemeinsam mit Emile Pellegrino verhaftet. Der Grund: Sabotage oder Propaganda gegen die Nazis. Beide starben im Februar 1945. Zuvor waren sie wahrscheinlich erst nach Plauen und dann nach Litvinov/Zaluzi in Tschechien in Arbeitserziehungslager verlegt.

Mit Soldaten Buch geschriebenDer Bretone Laurent Guillet, der allein deutsch gelernt hat, beschäftigt sich seit seinem 15. Lebensjahr mit dem Zweiten Weltkrieg. Gemeinsam mit ehemaligen deutschen Soldaten, die in seiner Heimat stationiert waren, hat er das Buch „Wir waren Feinde!“ geschrieben. Seit einigen Jahren beschäftigt sich der Autor und Verleger mit den Kriegskindern – Kindern, die zwischen 1940 und 1949 in Frankreich geboren wurden, die eine französische Mutter und einen deutschen Vater haben. Guillet hat in Frankreich ein Buch mit dem Titel „Des fleurs sur les cailloux“ veröffentlicht. Darin berichten zum ersten Mal einige dieser Kriegskinder mit ihrem Namen über ihre Geschichte und ihre meist schlechten Kindheitserlebnisse. Auch dieses Buch hat Guillet der Initiativgruppe geschenkt. Der französische Verein Amicale Nationale des Enfants de la Guerre widme sich speziell diesen Kindern, berichtet Guillet. An diesen wenden sich auch Deutsche auf der Suche nach ihrem Vater, von dem sie nur wissen, dass er ein französischer Zwangsarbeiter, Zivilarbeiter oder Kriegsgefangener war.

Für Laurent Guillet, der seit fast 20 Jahren im Auftrag anderer Menschen recherchiert, sei das jetzt in Mühlberg übergebene Buch eine große Herausforderung gewesen, sagt er. Drei Anliegen waren ihm mit der Veröffentlichung wichtig: Zunächst wollte er an die Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnern. Natürlich wollte er die ergreifende Geschichte seines Großonkels aufdecken und öffentlich machen. Und nicht zuletzt wollte er Lesern, die noch immer nach ihren Angehörigen suchen, eine Art von Leitfaden in die Hand geben. Aus diesem Grund hat er in seinem Buch wichtige Informationen, Adressen in Deutschland und Frankreich sowie Tipps für Recherchen und zu seiner Herangehensweise bei der Suche nach seinem Großonkel aufgelistet. Aber auch Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland liege ihm sehr am Herzen, so Laurent Guillet.

ist derzeit unterwegs an allen Orten und bei den Menschen, die ihm geholfen haben.

Der Bretone wird seine Recherchen zu seinem Großonkel fortsetzen, berichtet er. Er sei jetzt auf der Suche nach Gefährten und Familien, die er auf während seiner Kriegsgefangenenzeit kennengelernt hat.