Kantorin Susanne Drogan spielt Bach auf der Kaltschmidt-Orgel in der Wendischen Kirche. Gerührte Zuhörer findet sie in Monique Nadel Kaltschmidt aus dem französischen Saint-Bernard, deren Urgroßvater Friedrich Wilhelm Kaltschmidt genau diese Orgel im Jahr 1859 erbaut hat, und ihrem Lebenspartner Gerard. Die Orgel ist die einzig erhaltene ihrer Art in Brandenburg und hat 2009 nach siebenjähriger Rekonstruktion wieder zu ihrem alten Klang gefunden. Die Professorin für Musik kann nicht innehalten und singt zum Orgelklang leise das Ave Maria von Franz Schubert. Mit "Amazing Grace", einem der beliebtesten Kirchenlieder der Welt, trifft sie nicht nur in die Herzen ihrer Zuhörer, sondern auch ins eigene. Gänsehaut bei den einen, Tränen der Rührung in ihrem Gesicht. "Das ist fabelhaft, für mich sehr emotional. Dafür werden sich auch meine Kinder und Enkel interessieren", sagt die 68-Jährige in gebrochenem Deutsch. In ihrer Heimat leitet sie einen Gospelchor, den später eine ihrer Töchter übernehmen soll, denn auch sie ist Sängerin.

Dieser Tag war wie ein Denkmal vor dem Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag. Der beginnt um 10 Uhr mit einem wendisch-deutschen Gottesdienst in der Wendischen Kirche. Kaffee und Kuchen gibt es in der Deutschen Kirche. Dort können die Besucher Tonmeister Jürgen Schlag treffen, der schon im Berliner Dom für beste Akustik gesorgt hat. Der Berliner ist kein Orgelbauer, hat aber durchaus eine Beziehung zur Vetschauer Kirche: Sein Großvater hat die Schlag-und-Söhne-Orgel in der Deutschen Kirche gebaut. Der Enkelsohn half, sie zu sanieren. "Dort hatte ich ein großes und intaktes Werk vorgefunden, das auf mich wartete wie ein alter Schuh. Aber ich fragte mich: Was willst du eigentlich hier? Die Orgel sah erbärmlich aus, die Kirche nicht viel besser", erinnerte er sich an damals. Ende 1989 schließlich wurde die sanierte Orgel eingeweiht. Viele Jahre später die Kaltschmidt-Orgel in der rekostruierten Wendischen Kirche.

Führungen durch beide Kirchen können sich die Besucher nach dem Gottesdienst anschließen. Und sie werden auch Gelegenheit haben, den Turm zu den vier Glocken und bis zur alten Turmuhr zu besteigen, deren großer Zeiger allein ein Meter lang ist. Jürgen Schlag hat in dieser Woche das riesige Ziffernblatt und die Mechanik aufgebaut. "Die Uhr lässt sich sogar wieder stellen", erzählt er begeistert.

Mit dem Tag des offenen Denkmals wird in Vetschau auch der dritte Deutsche Orgeltag begangen. Für musikbegeisterte Kinder und Jugendliche bedeutet das: Sie dürfen sich an den beiden Orgeln ausprobieren, Fragen stellen und in eine Orgel hineinschauen. Wer möchte, kann sich unter Telefon 0171 7093252 bei Jürgen Schlag informieren.

Die Kirchen sind bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt am Sonntag ist frei. Um eine Spende für die Kirchenmusik wird gebeten.

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Auch das Herrenhaus in Groß Jehser öffnet am Sonntag seine Türen für Besucher. Die Führungen werden um 10.30 Uhr , 13.30 Uhr und 15.30 Uhr angeboten. Zu sehen ist auch eine Fotoausstellung mit Bildern von Arthur Wiese. Um 14 Uhr findet in der Kirche ein Gottesdienst statt. In der Region öffnen zudem das Gutshaus und die Kirche in Groß Mehßow (9 Uhr), die Kirchen in Bronkow (9 Uhr), Calau (10 Uhr) und Kalkwitz (9 Uhr).