Schweigend./Wie ein Geschlagener sich ergibt./ Aufrichtig. Zärtlich. Fallend. Steigend./ Geb Gott, dass sie ein anderer je so liebt.“ Diese Zeilen des russischen Dichters Alexander Puschkin stehen jetzt auf dem Grabstein der Lyrikerin Eva Strittmatter (1930 bis 2011). Viele der über 40 Besucher am Donnerstagabend in der Lila Villa in Cottbus schauten sich nachdenklich die Fotos von den Gräbern Erwin und Eva Strittmatters an. Trotz aller Probleme war es zuletzt noch einmal ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen, neben ihrem Mann bestattet zu werden, weiß Manfred Schemel, langjähriger Vorsitzender des Erwin-Strittmatter-Vereins in Bohsdorf. Die Steine habe sich das Paar schon zu Lebzeiten ausgesucht. Und Hermann Kant, der die Trauerrede an Eva Strittmatters Söhne gehalten hatte, soll gesagt haben, dass er kein so kleines Geviert kenne, wo zwei so große Menschen nebeneinander ruhen.

Auszüge aus Gesprächen

Doch es wurde kein trauriger Salonabend. Wenke Manitz, Koordinatorin des Frauenzentrums, ihren Mitarbeiterinnen, Manfred Schemel und auch vielen Gästen ist es zu verdanken, dass herzlich gelacht wurde. Wenke Manitz erzählte mit Auszügen aus Irmtraud Gutschkes Gesprächen mit Eva Strittmatter das Leben und Werden der Dichterin. Jeannette Kleemann las Gedichte.

Mit Tonbandaufnahmen kam auch die Stimme der Lyrikerin ins Spiel. Eine Leserin hatte auf ihrem Hausboden das Bändchen „Poesie und andere Nebendinge“ – erstmals erschienen 1983 – wiedergefunden und las daraus vor. Und die Cottbuserin Anita Schloßhauer gehörte zu den Menschen, die einen der Rundbriefe von Eva Strittmatter bekamen.

Zu Lebzeiten soll das Ehepaar durchschnittlich 1000 Briefe im Jahr erhalten haben – und ihnen war es wichtig, auch alle zu beantworten. Eva Strittmatter ging dann dazu über, Rundbriefe zu schreiben. Sie wurden Hunderte Male kopiert und an die einzelnen Adressen geschickt. Wie Anita Schloßhauer weiß, gab es den letzen Brief von der Lyrikerin in rund 470 Kopien.

Handschriftliche Briefe

„Die letzten Briefe waren sehr schwer zu lesen. Sie hat ja den Computer abgelehnt, immer mit der Hand geschrieben. Sie litt wirklich sehr unter ihren Krankheiten, beschrieb, wie sie sich hochquälen muss, um ein bisschen schreiben zu können“, so Anita Schloßhauer. Noch einmal Post bekommen hat sie im Juli 2011 von Sohn Jakob Strittmatter, der noch einmal dankte, über die nächsten Projekte schrieb und die Hoffnung äußerte, dass das Grundstück gehalten werden kann.

Eva Strittmatter, das hat Manfred Schemel beobachtet, werde jetzt unheimlich viel von jungen Leuten gelesen. Als er sie zu ihren Lebzeiten besuchte, wollte er einmal vor der Tür die Schuhe ausziehen. „Sie wurde richtig zornig“, sagt Schemel. „Sie war im Verstand und in ihren Gedanken so klar. Täglich hat Eva Strittmatter mit Hermann Kant telefoniert. Er wohnte nicht weit weg, sie waren innig befreundet und haben auch über ganz alltägliche und praktische Dinge geredet. Ich denke, auch für Hermann Kant wurde das Leben nach Evas Tod schwerer “, sagt Sabine Schemel.

Schemel ist übrigens froh, bei den Besuchen in Schulzenhof seine Frau Sabine mit dabei gehabt zu haben: „Ihr ist es auch zu verdanken, dass Eva noch Ehrenmitglied im Strittmatter-Verein wurde.“