Das Projekt geht in diesem Sommer in die dritte Runde. Etwa 16 Keller in Luckaus historischem Zentrum hat die Forschungsgruppe um Projektleiterin Alexandra Druzinski von Boet ticher in den vergangenen beiden Jahren unter die Lupe genommen. Nach Stadtbränden im 17. Jahrhundert sei Luckaus oberirdische Bebauung meist jüngeren Datums. Die Keller aber blieben in der Regel vom Feuer verschont. Aus ihnen lasse sich viel darüber ablesen, wie die Stadt im Mittelalter ausgesehen habe, erklärt die Projektleiterin während einer Informationsveranstaltung für im Café Graf.

Für das Kellerkataster dokumentieren und fotografieren die Studenten, was sie in der Luckauer Unterwelt vorfinden, fertigen Grundrisse und Schnitte der jeweiligen Keller an, halten Besonderheiten fest. So werde aufgenommen, wo Öffnungen im Nachhinein vermauert worden sind. "Wie sah etwas aus, als es gebaut wurde und wie hat es sich verändert?", dieser Frage gehe die Projektgruppe nach, sagt Alexandra Druzinski von Boetticher. Als Beispiel nennt sie das heutige Eckhaus Hauptstraße/Straße Am Markt. Die Studenten fanden heraus, dass alle Durchgänge, die die Keller verbinden, nachträglich angelegt wurden. "Das heißt, es gab früher mehrere kleinere Gebäude, wo heute ein großes steht", sagt die Bauhistorikerin. Ähnliches lasse sich an anderen untersuchten Häusern feststellen. So habe das Grundstück Am Markt 27 früher aus zwei Gebäuden bestanden, einem breiteren und einem schmaleren. Am Markt 2 seien nur in einem Teil des Gebäudes Keller gefunden worden, die sich jedoch nach hinten fortsetzen. "Dort könnte eine Straße gewesen sein", so Alexandra Druzinski von Boetticher.

Mosaik aus vielen Steinen

"Man braucht möglichst viele Keller in einem zusammenhängenden Gebiet, um ein aussagekräftiges Bild zu bekommen", erläutert sie. Aus dem Gesamtmosaik erhoffen sich die Bauhistoriker Aufschluss darüber, wie groß im Mittelalter die Wohnparzellen waren, wo einst Straßen verliefen, von denen heute niemand mehr weiß. Manches, was zunächst nur eine Ahnung gewesen sei, lasse sich inzwischen belegen, berichtet Alexandra Druzinski von Boetticher. Dazu gehöre, dass einige Kellergewölbe erst nachträglich eingezogen worden seien. Der Beweis fand sich im Keller Am Markt 9. "Er hatte eine Balkendecke, erst im zweiten Schritt bekam er ein steinernes Gewölbe. Möglicherweise wurde es nach den Stadtbränden eingebaut, um das Haus sicherer zu machen", sagt Alexandra Druzinski von Boetticher.

"Was die Projektgruppe leistet, ist Pionierarbeit für unsere Enkel", schwärmt Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos). Die Luckauerin Ursula Rothe möchte wissen, ob es in zehn Jahren einen Stadtplan vom mittelalterlichen Luckau geben wird. Zu Zeiträumen hält sich die Projektleiterin noch bedeckt. Das hänge von der Zahl der Studenten ab, die für die Forschungsgruppe zur Verfügung stünden und auch von der Zahl der Keller, sagt sie.

Luckauer machen gern mit

An der Bereitschaft der Luckauer, ihre Türen zu öffnen, mangelt es nicht. Alkmene Fischer von der Bauverwaltung stellt für das Projekt-Team die Kontakte zu jenen Eigentümern her, deren Häuser für die Forschung von besonderem Interesse sind. "Wir stoßen auf großes Entgegenkommen", sagt die Rathaus-Mitarbeiterin.

Zum Thema:
Das nächste Mal wird die Forschungsgruppe des Lehrstuhls für Baugeschichte aus Cottbus ab dem 12. August für eine Woche Luckauer Keller erkunden. Das Projekt sei kostenneutral, es sei eingebunden in den Lehralltag, sagt Projektleiterin Alexandra Druzinski von Boetticher. Im nächsten oder übernächsten Sommer könnten Ergebnisse zur Luckauer Stadtstruktur im Mittelalter weit genug gediehen sein, um sie in Luckau im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zu präsentieren, kündigt die Projektleiterin auf Anfragen interessierter Einwohner der Gartenstadt an.