Von Jan Siegel

Wenn es um die Zukunft des Luftverkehrs geht, stehen die Manager in dieser Branche erheblich unter Druck. Vorbei sind die Zeiten, in denen es Fluggästen komplett egal war, wie viel Tausend Liter Kerosin ihr Flieger auf den Weg in den Urlaub durch die imposanten Gasturbinen rauschen ließ. Das Motto „Klasse mit Masse“, bei dem die Flugzeuge immer größer und vor allem schwerer wurden – koste es, was es wolle – dürfte schon jetzt der Vergangenheit angehören.

Mit der herkömmlichen Technik stoßen die Flugzeug- und vor allem die Triebwerksbauer immer öfter an physikalische Grenzen. Deshalb setzen sie nach Propeller-Motoren und Strahltriebwerken für die Zukunft auf eine neue, dritte Generation von Flugzeugantrieben.

Seit Jahren in Dahlewitz aktiv

Ein Unternehmen, das in Sachen Flugzeugmotor der Zukunft an der Spitze der Entwicklung mitspielen will, ist Rolls-Royce. Der Triebwerksspezialist, der seit vielen Jahren im brandenburgischen Dahlewitz ein großes Werk betreibt und allein in Deutschland an zehn Standorten um die 10 000 Mitarbeiter beschäftigt, setzt in Sachen Zukunft künftig noch stärker auf wissenschaftliche Kompetenz in der Lausitz. Und dabei wissen die Manager des Triebwerksbauers schon ziemlich genau, worauf sie sich einlassen.

Seit fast 15 Jahren arbeiten Rolls-Royce und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg auf dem Gebiet des Triebwerksbaus nämlich schon intensiv zusammen. Die Cottbuser können daher auf diesem Feld einige Expertise vorweisen. Jetzt sollen die BTU-Wissenschaftler Rolls-Royce bei der Entwicklung von Flugzeugantrieben der nächsten Generation helfen.

Batterien und Flaggen passen nicht zusammen

Als Schlüssel in die Zukunft gilt dabei ganz allgemein das elektrische Fliegen. Weil aber größere, rein elektrische Fluggeräte aus der Sicht heutiger Batterietechnik illusorisch erscheinen, sollen hybrid-elektrische Antriebe die Triebwerksbauer in die Zukunft katapultieren. Die Idee dabei ist, dass eine relativ sparsame Gasturbine beispielsweise als Generator für elektrische Motoren dient. Denkbar ist dabei auch, dass die Turbine beim Start für zusätzlichen Schub sorgt.

Was durchaus plausibel und relativ einfach klingt, birgt noch immer riesige technische Hürden, von denen viele bisher noch unüberwindbar scheinen. Die Forschungsfelder dabei reichen von neuartigen Materialien und ihrer Fertigung bis hin zur funkenfreien, zuverlässigen Beherrschung extremer elektrischer Ströme bei starken Aggregaten.

Die Cottbuser Wissenschaftler um Prof. Dr. Klaus Höschler vom Fachgebiet Flug- und Triebwerksdesign, haben es in den vergangenen Jahren bereits geschafft, bei der Triebwerksforschung unterschiedliche Fachgebiete der Lausitzer Universität zusammenzubringen.

Die Zusammenarbeit mit den Fachleuten von Rolls-Royce eröffnet den Cottbuser Wissenschaftlern und ihren Studenten dabei Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten im Exzellenz-Bereich.

Experten an Rolls-Royce „verloren“

„Wir haben in den vergangenen Jahren bereits 16 Wissenschaftler an Rolls-Royce ,verloren’, die dort beachtliche Karrieren gemacht haben“, sagte am Montag die amtierende BTU-Präsidentin Prof. Dr. Christiane Hipp mit einem Augenzwinkern, als eine Absichtserklärung zur Triebwerksforschung zwischen dem Land Brandenburg und Rolls-Royce unterzeichnet wurde. Auch in Zukunft dürfte das spannende Feld der Triebwerksforschung Wissenschaftler nicht nur aus Deutschland auf die kleine, aber feine BTU in der Lausitz – und damit auf eine ganze Region im Wandel – aufmerksam machen.

Für den Rolls-Royce-Deutschlandchef Dirk Geisinger sind hybrid-elektrische Antriebssysteme eine enorme Chance „die wir mit Nachdruck verfolgen“. Dabei könne die BTU Cottbus-Senftenberg eine sehr wichtige Rolle spielen. Und Geisinger will das Engagement seines Unternehmens nicht allein auf die Lausitzer BTU beschränken. Auch neue Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen in der Lausitz könnten mittelfristig von Forschung und Produktion profitieren.

Deshalb sehen Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und sein Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (beide SPD) in der am Montag unterzeichneten Absichtserklärung mit Rolls-Royce gleich eine dreifache Win-Win-Situation. Neben dem Triebwerksbauer und der Lausitzer Universität profitierten das Land Brandenburg und die Lausitz, weil sie auch über die Region hinaus künftig noch stärker als wichtiger Standort für die internationale Luftfahrtbranche wahrgenommen würden.